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Frank Sieren:Fauler Apfel

2016-09-26 08:40:00 de.china-info24.com

Vor drei Jahren vielleicht noch undenkbar aber nun ist es Realität: Huawei, Xiaomi, Oppo und Vivo lieferten im zweiten Quartal mehr Smartphones in China als Apple. Während Chinas Smartphone-Marken wie Huawei oder Xiaomi im Westen langsam angekommen sind, sind andere Namen wie Oppo oder dem kleineren chinesischen Smartphonehersteller Meizu noch völlig unbekannt. Doch genau Hersteller wie Huawei oder Meizu sind das Problem von Apple. Denn Chinas Smartphonebauer haben kräftig aufgeholt. Vor allem was die technischen Standards betrifft. Sehr gut lässt sich dies nun an dem neuesten Modell aus dem Hause Apple, dem iPhone 7, darstellen.

Gerade mal eine Woche sind das neue iPhone 7 und das iPhone 7 Plus auch in China in den Läden, aber der Verkauf läuft nicht wie gewohnt. Die Schlangen vor den Apple-Läden waren kürzer. Es campierten keine Apple-Fans in Peking oder Shanghai vor den Apple-Läden, denn nur noch wer sich das iPhone 7 schon online vorbestellt hatte, konnte es sich im Laden abholen gehen. Doch das sind eher Begleiterscheinungen eines kränkelnden Patienten. Der Kern der Krankheit von Apple auf dem chinesischen Markt liegt bei den technischen Erneuerungen. So hatte Apple Marketingchef Phil Schiller bei dem neuesten Flagship-Modell iPhone 7 als Neuheiten angekündigt, die bei einigen chinesischen Herstellern schon länger zum Standardrepertoire gehören. Vor allem aber hat Schiller sich im Ton vergriffen, als er beim neuen iPhone 7 davon sprach, dass Apple nun auf veraltete Technik verzichte, um Raum für Neues zu schaffen. Dabei hat Apple beim neuen iPhone 7 nur alte, aber immer noch weitverbreitete Technik, gegen neue ausgetauscht, die zumindest in China keine Neuheit mehr sind.

Beim iPhone 7 gibt es keine Buchse mehr für Klinkenstecker und Kopfhörer können auch nur noch entweder über einen Adapter über den Stromanschluss oder kabellos per Bluetooth verbunden werden. Chinesische Smartphone-Hersteller wie LeEco hatten bereits im Juni ein neues Modell ohne Klinkenstecker auf den Markt gebracht und auch die neue Dual-Kamera des iPhone 7 ist bei dem chinesischen Anbieter Huawei schon länger Standard. Auch der viel kleinere chinesische Smartphonebauer Meizu hat im April dieses Jahres mit dem neusten Modell Meizu Pro 6 nach Fachkreisen eines der besten Smartphones, die es derzeit auf dem Markt gibt herausgebracht. Es ist ausgestattet mit 4 GB Arbeitsspeicher, einem 10-Kern-Prozessor, einer Kamera, die auf 21 Megapixeln auflöst und einem 14 cm 3D Touchscreen. Kosten 350 Euro, also weniger als die Hälfte eines iPhone 7, das nur eine 12 Megapixel Kamera hat, ein kleineres Display aber rund 760 Euro kostet. Nicht zufällig ist Meizu nun auf der Liste der Fortune Unicorns (private Unternehmen mit einem Wert von mindestens einer Milliarde Dollar oder mehr) auf Platz 33 weltweit aufgerückt. Der chinesische Smartphone-Hersteller hat eine Bewertung von 3,3 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr verkaufte Meizu über 20 Millionen Smartphones und steigerte die Umsätze damit um 350 Prozent gegenüber 2014.

Bei Apple ist das Bild eher umgekehrt: Der Umsatz des alten iPhones in China ist im Verkaufszeitraum zwischen April bis Juni um über 33 Prozent eingebrochen. Zu der Anfangszeit, als das iPhone 6 neu auf den Markt kam, war es zeitweise Apples Rettung, sich auf dem chinesischen Markt weiter zu behaupten. Mittlerweile hat eine Mischung aus unausgereiften Marketingplänen für China gepaart mit immer stärker werdenden chinesischen Anbietern Apple immer stärker unter Druck gesetzt. Hatte Apple im vergangenen Jahr noch einen China-Marktanteil von über 10 Prozent ist er inzwischen auf rund 7 Prozent gesunken. Es reicht nun nur noch für einen Platz 5 hinter den chinesischen Anbietern Huawei, Oppo, Xiaomi oder Vivo.

Und während eine Scarlett Johansson für Huaweis Smartphones großflächig an jedem größeren Shoppingcentern in China Großstädten plakatiert ist, hat Apple zum Verkaufsstart des neuen iPhone 7 kaum plakatiert. Stattdessen hängen überall Plakate von kleineren chinesischen Anbietern wie eben Meizu an den Bushaltestellen in Peking. Ganz besonders fehl gelegen dürften die Kalifornier aus Cupertino mit der Entscheidung gelegen haben, dem neuen iPhone 7 kein neues Design verpasst zu haben. Die chinesischen Kunden sind schnell gelangweilt von alten Designs. Auch muss sich ein neues Smartphone, was schon so viel kostet wie ein durchschnittlicher Monatslohn von Büroangestellten in den Metropolen Peking oder Shanghai, auch unterscheidbar sein von den anderen Smartphones aber ganz besonders von den älteren Generationen. Sonst funktioniert es nicht als Statussymbol – und das gilt nicht nur für China.

Damit hat das neue Smartphone geringe Aussichten, den Abstieg Apples in seinem wichtigen Wachstumsmarkt zu bremsen. Schlimmer ist jedoch, dass Apple weiter den Anschluss an seine Fans verliert. Gerade in dem Luxussegment, auf dem sich das iPhone bewegt, ist die Markenbindung besonders wichtig. Doch Apple verliert weiter den Anschluss an seine Kunden. Doch Apple-Chef Tim Cook geht immer noch öffentlich davon aus, dass „jeder eins haben will“. Das wird in China nicht mehr der Fall sein. Auch nicht, wenn der Milliardär Wang Sicong seinem Hund Coco gleich acht iPhone 7 gekauft hat und dies auf den sozialen Medien Chinas postet. Dass er so viele gekauft hat, begründet Wang damit, dass der Hund gern die iPhones verbuddelt. Ob das gutes Marketing für Apple in China ist, ist fraglich.

Unser Kolumnist, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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