menu
seacher

Ist Donald Trump Trumpf oder Niete?

2016-11-14 05:36:33 de.china-info24.com

Auch in Peking war die Überraschung groß über den Sieg von Donald Trump. Allerdings war Trump in China stets viel weniger umstritten, als es im amerikanischen Wahlkampf lange schien.

Der nun neu gewählte US-Präsident Donald Trump hatte während des Wahlkampfes in den vergangenen Monaten China oft hart kritisiert, um Stimmen für sich zu gewinnen. So warf er China vor, dass sie ihre Währung manipuliere, den Amerikanern Jobs stehle und drohte mit Strafzöllen auf chinesische Produkte in Höhe von 45 Prozent zu verhängen. Und doch ist Pekings Reaktion nach dem überraschenden Wahlsieg Trumps weniger konstatiert, als die von manchen Politikern in Europa und Deutschland. Peking hat schon öfter der Erfahrung gemacht, dass im amerikanischen Wahlkampf so einiges gesagt wird, was in nachhinein nicht mehr umgesetzt wird. Und letztlich weiß Peking auch um die Vorteile von Trump. Auch deshalb haben sich die politischen Eliten in Peking mit Kommentaren zurückgehalten. Im Zweifel jedoch waren sie eher für Trump. Sie gehen nicht nur davon aus, dass im amerikanischen Wahlkampf viel gesagt wird, was hinterher nicht mehr gilt. Sie haben noch ein weiteres Argument: Trump sei weniger ideologisch, was die Außenpolitik betrifft. Denn er hat darin keine Erfahrung und es ist auch noch nicht klar, wen er sich als außenpolitischen Berater zur Seite stellen wird.

Als Geschäftsmann, der Politik für „ziemlich hässlich und brutal“ hält, wie er nun bei seiner ersten Rede als Präsident der USA sagte, sei er offener für pragmatische, politische Kompromisse, lautet nun die Hoffnung, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Mit Hillary Clinton als Präsidentin wäre das genau umgekehrt gekommen, so die Einschätzung von Diplomaten. Sie hat als Außenministerin das Engagement der USA in der Welt eher ausgebaut und die neue Asienstrategie „Pivot to Asia“ der USA mitentwickelt. Im Kern steht dahinter, dass die USA sich ihren Einfluss in Asien von China unter keinen Umständen einschränken lassen will. Trump hat hingegen als gewählter US-Präsident bereits am Mittwoch einen anderen, milderen und verbindlicheren Ton angeschlagen. „Wir kommen mit allen Ländern gut klar, die mit uns klarkommen wollen. Und: „Wir werden mit jedem Land vorsichtig umgehen.“ Trump hat im Wahlkampf bereits signalisiert, dass er die US-Truppen in Asien eher zurückziehen will. Oder zumindest die Truppenpräsenz für die Länder, denen die Amerikaner Schutz gewähren, teurer werden zu lassen. Bündnispartner wie Südkorea und Japan könnten für den Schutz durch die USA stärker zur Kasse gebeten werden.

Auch wenn sonst weniger bekannt ist über Trumps Asienstrategie, eines ist sicher, er wird sich dort weniger einmischen, als es Hillary Clinton getan hätte. Mit ihm im Oval Office hat Peking nun noch bessere Aussichten seinen Einfluss in der Region auszubauen und vor allem den Konflikt im Südchinesischen Meer zu seinen Gunsten zu entscheiden.

Allerdings stellt sich die Frage, ob er diese Position aus dem Wahlkampf in den politischen Alltag übernimmt. Wenn ja, bedeutet das auch mehr Spielraum für die Chinesen, sich in Asien fester zu verankern.

Eines jedenfalls kann man jetzt schon sagen: Trumps Interesse zum Beispiel den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte wieder mehr in Richtung USA zu ziehen, wird nicht sehr hoch sein. Im Gegenteil: Es sieht so aus, dass Trump den militärischen Rückzugsprozess, den sein Vorgänger Barack Obama eingeleitet hatte, fortführen wird, bevor er auf „Pivot to Asia“ umstellte.

Als Geschäftsmann, der nie zuvor Politiker war, wird Trump mehr Verständnis haben für die wirtschaftlichen Zwänge, in denen seine engsten Partner in Asien stecken, als Clinton es je gehabt hätte. Die Australier zum Beispiel haben wenig Spielraum. 30 Prozent des Handelsvolumens gehen an China. In dieser Hinsicht stehen die Zeichen also auch eher auf Entspannung.

Anders wird das beim Thema Handelspolitik sein. In diesem Bereich wird sich Peking auf härtere Zeiten einstellen müssen. Trumps Spielraum ist zwar einerseits dadurch eingeschränkt, dass China die Bank der USA ist und neben Japan die größten US-Dollar Staatsanleihen hält. Anderseits ist es Trump nun seinen Wähler schuldig, zu liefern. Das bedeutet für ihn ganz klar: Größere Handelsbarrieren für China. Denn Trump wird sehr wahrscheinlich auch als Präsident nicht plötzlich zum Befürworter des Freihandels. Wenn Trump davon spricht, dass Amerika sein Schicksal wieder in die Hand nehmen muss, dann spricht er nicht von Syrien, Russland und dem Südchinesischen Meer, sondern von Ohio, Michigan und Pennsylvania, dem sogenannten Rustbelt der USA. In der einst ältesten und größten Industrieregion sind in der Stahl- und Kohlebranche tausende Jobs verloren gegangen und nach China verlagert worden.

Es wird sehr schwierig für Peking sein, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Und selbst wenn er als Geschäftsmann in dieser Frage die chinesische Position gut versteht, seinen Wählern gegenüber wird er nicht als einer dastehen wollen, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt. In dieser Hinsicht wird sich Peking warm anziehen müssen.

Insofern ist die Einschätzung in Peking nach diesem Überraschungssieg gemischt. Einerseits wird der Handel wohl härter, anderseits die geostrategische Lage entspannter.

Unser Kolumnist, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

NEWSLETTERS

Geben Sie hier ihre E-Mail Adresse ein, um unseren Newsletter zu abonnieren

Kommentare

Sind Sie Mitglied?Sind Sie schon eingeloggt?