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Blick nach Bo'ao - ein für Europa notwendiger Blick über den „Tellerrand“

2017-03-21 09:14:15 de.china-info24.com Dr. Borchmann

Vom 23. bis zum 26. März 2017 findet im südchinesischen Hainan, in Bo’ao, das diesjährige Bo'ao-Forum statt, mit der englischen Bezeichnung Boao Forum for Asia, kurz: BFA. Wikipedia definiert das BFA wie folgt: ein hochrangiges Treffen politischer, wirtschaftlicher und akademischer Führer, das nach dem Vorbild des Weltwirtschaftsforums in Davos gebildet wurde. Und weiter heißt es dort: „Das Treffen wurde 1998 vom damaligen philippinischen Präsidenten Fidel Ramos, dem damaligen australischen Premierminister Bob Hawke und dem damaligen japanischen Premierminister Morihiro Hosokawa initiiert. Es wurde am 27. Februar 2001 von 26 asiatischen und pazifischen Staaten gegründet und fand im April 2002 zum ersten Mal statt.“

Während allerdings „Davos“ für eine breitere Öffentlichkeit in Europa ein fester Begriff ist, wird man dies zum BFA bisher kaum sagen können. Das Weltwirtschaftsforum von Davos wurde 1971 ins Leben gerufen. Es war eine Zeit, in der das weltwirtschaftliche Geschehen fokussiert war auf die Achse Europa – USA. Hier wurden die Maßstäbe gesetzt, das Geschehen jenseits dieser Achse wurde eher im marginalen Bereich gesehen. Dieser sogenannte „Eurozentrismus“ bildete den Kern des Denkens und Handelns.

Aber: seit 1971 sind sehr viele Jahre vergangen. Es sind Dinge geschehen, die John Milton Hay, 1898 bis 1905 Außenminister der USA, bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts prognostiziert hat: „Das Mittelmeer ist der Ozean der Vergangenheit, der Atlantik ist der Ozean der Gegenwart, und der Pazifik ist der Ozean der Zukunft.“ Hundert Jahre später veröffentlichte der deutsche Jurist, Schriftsteller und Ostasienexperte Karl Pilny ein Buch mit dem Titel „Das asiatische Jahrhundert“, in dem der Autor historisch die Wanderung des wirtschaftlichen Zentrums der Welt vom alten Ägypten über Rom und Griechenland nach Westeuropa und endlich über den Atlantik in die USA beschreibt. Und was die Zukunft betrifft, verweist er darauf, dass bereits im Jahre 2050 zwei Drittel der Menschheit in Asien leben werden, was entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung dieses Kontinents beitragen werde. „Das Potenzial der asiatischen Staaten ist unermesslich.“ Und schließlich eine Stimme aus der realen Politik: die angesehene deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ meldete Ende des Jahres 2012: „Asien wird die USA und Europa bis 2030 überholen. Der Westen verliert an Bedeutung. Eine Studie der US-Geheimdienste sieht Asien in 20 Jahren als mächtigste Region weltweit. Zu den Verlierern gehören Europa und Russland.“

Was sagt uns in Europa das? Wichtige weltwirtschaftliche Weichenstellungen werden zunehmend dort getroffen, wohin sich die wirtschaftlichen Gewichte verlagern. Damit sind wir wieder bei dem eingangs genannten BFA angelangt. Es hat sich in Asien schon lange als eine Plattform etabliert, auf der die Dinge erörtert werden, die die Welt bewegen. Selbst auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos gehörten die Schlagzeilen, die Aufmerksamkeit einem asiatischen Staatsmann. Die Botschaft des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping für Internationalisierung, für Globalisierung, für „Licht in der Dunkelkammer“ hat weltweit eine Resonanz gefunden wie kaum einmal eine Rede in Davos zuvor. Dass es sich bei den Worten von Präsident Xi nicht nur um feierliche Worte handelte, hatte die VR China bereits zuvor mit ganz konkreten Taten belegt. Die „One Belt, One Road“-Initiative ist ein Globalisierungs- und Wachstumsprogramm, das weltweit seinesgleichen sucht. Andererseits hat das jüngste Treffen der G20-Finanzminister im deutschen Baden-Baden mit seinem Abschlusskommuniqué, in dem kein Wort zu Globalisierung, freiem Welthandel und Kampf gegen Protektionismus zu finden ist, deutlich gemacht, dass die Botschaft Xi Jinpings notwendiger ist denn je. Das haben die Organisatoren des BFA frühzeitig erkannt, als sie in diesem Januar in Beijing das Programm 2017 der Öffentlichkeit vorstellten. Das Thema „Globalisierung und Freihandel – die asiatische Perspektive“ greift genau die Fragen auf, die die Weltwirtschaft aktuell tief bewegen. Insgesamt mehr als 40 Arbeitsgruppen werden unter den Modulen „Globalisierung, Wachstum, Reformen und Wirtschaft der Zukunft“ politische und wirtschaftliche Führungspersonen und Meinungsbildner alle Fragen besprechen, die den dynamischen Wandel in unseren Zeitläufen bewegen. Das Spektrum reicht von den neuen Energien über Bildung, Arbeitswelt im Wandel, Klimaschutz, Finanzen bis hin zu Big Data und künstlicher Intelligenz mit allen ihren Implikationen. Es tut not, dass Europa über den Tellerrand hinausschaut und sehr genau hinhört, was in diesen Tagen im südchinesischen Hainan besprochen wird.

von Dr. Michael Borchmann

Ministerialdirigent a.D. (Land Hessen)

Mitglied des Justizprüfungsamtes Hessen

Beirat der CIIPA des Handelsministeriums der VR China

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