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Ein ganz besonderes Geschenk von Außenminister Gabriel zum „97. Liebesmahl“

2017-03-28 09:34:43 de.china-info24.com

„Sprachliche und kulturelle Kompetenz, Regionalwissen und Regionalerfahrungen sind im Umgang mit Asien von entscheidender Bedeutung. Deshalb habe ich entschieden, diese Kompetenzen im Auswärtigen Amt zu stärken und in einer neuen Asienabteilung zu bündeln.“ Dies war die zentrale Botschaft, die der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel am 24. März beim 97. „Liebesmahl" des Ostasiatischen Vereins im Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg überbrachte. Dieses Liebesmahl hat eine – die Zahl verrät es – lange Tradition. Es wurde zum ersten Mal 1901 durchgeführt mit der Zielrichtung der „Schaffung und Erleichterung des geselligen Verkehrs unter den Mitgliedern und Besprechung der deutschen Interessen in möglichst regelmäßigen Zusammenkünften“. Der Veranstalter: der Ostasiatische Verein – German Asia-Pacific Business Association (Ostasiatischer Verein e.V.), am 13. März 1900 von 16 Kaufleuten in Hamburg gegründet mit der Absicht, „einen Verein für deutsche Interessen im östlichen Asien mit Sitz in Hamburg ins Leben zu rufen“.

Und die Botschaft von Außenminister Gabriel ist nicht lediglich die Verkündung einer internen Organisationsänderung. Diese Maßnahme bedeutet eine substanzielle Änderung der Struktur des deutschen Außenministeriums, dessen Name „Auswärtiges Amt“ auf die gleichnamige Institution des Norddeutschen Bundes – Vorläufer des Deutschen Reiches - aus dem Jahre 1870 und des Deutschen Reiches von 1871 zurückgeht. Dieses Ministerium, das in seinen Anfängen einmal mit zwei Abteilungen begonnen hat, verfügt zur Zeit über 10 Abteilungen. Da gibt es einmal die zentralen Dienste wie Zentralabteilung, Rechtsabteilung, und Protokoll. Um spezifische Fachbereiche kümmern sich die Kulturabteilung und die Wirtschaftsabteilung. Schließlich sind zwei weitere Abteilungen mit internationalen Fragen und Krisen befasst: „Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und Rüstungskontrolle“ einerseits und „Krisenprävention, Stabilisierung und Konfliktnachsorge“ andererseits. Die Rolle Deutschlands als Mitglied der EU spiegelt sich in einer eigenen Europaabteilung wieder, während die bilateralen Beziehungen zu allen anderen Staaten bisher in zwei allgemeinen politischen Abteilungen gebündelt sind. Die Schaffung einer eigenen „Asienabteilung“ bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass der Stellenwert der deutschen Beziehungen zu den asiatischen Staaten ähnlich herausgehoben werden soll wie sich das bisher nur bei den Beziehungen zu den EU-Mitgliedstaaten in einer Europaabteilung widergespiegelt hat.

Und es lohnt sich, einen Blick auf die Begründung zu werfen, die Minister Gabriel seiner Botschaft mit auf den Weg gab. Was den Ort der Verkündung betrifft, verwies Gabriel auf die große Bedeutung Hamburgs für die deutsch-chinesischen Beziehungen. Zur Erinnerung: so heißt die Elbmetropole auf Chinesisch „Hanbao”, was übersetzt so viel bedeutet wie die „Burg der Chinesen”. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr: in Hamburg sind nach Angaben der Handelskammer Hamburg mehr als 550 chinesische Unternehmen angesiedelt. Die Hansestadt gilt als Chinas Tor zum europäischen Markt und umgekehrt auch als idealer Brückenkopf für den chinesischen Markt – mehr als 700 Hamburger Unternehmen sind in der Volksrepublik aktiv. Dies hatte Gabriel wohl im Blick, als er unter Hinweis auf die lange Tradition der Hamburger China-Kontakte ausführte: „Aber heute wie damals war der Hafen, Hamburgs, ja sogar Deutschlands Tor zur Welt. Und diese Welt, meine Damen und Herren, ist eine Welt, die zunehmend von Asien geprägt wird.“ Unter Hinweis auf die mehr als hundertjährige Geschichte des OAV führte Gabriel weiter aus: „Ihr Verein wurde ja auch deshalb gegründet, weil, ich zitiere Ihre offizielle Chronik: ‚die Bedeutung Ostasiens in den politischen und gesellschaftlich maßgeblichen Kreisen Deutschlands nach wie vor unterschätzt wurde‘.“

Und er verlieh der Befürchtung Ausdruck, dass in dieser Analyse leider auch heute noch eine Menge Wahrheit stecke. Die Zukunft Europas, das transatlantische Verhältnis, die Krisen an den Grenzen Europas, in der Ukraine, in Syrien – all diese Themen beschäftigten Deutschland außenpolitisch enorm. Und zu Recht. Aber Asien dürfe deswegen nicht aus dem deutschen Blickfeld geraten. Denn er sei überzeugt: Asien sei eine Schlüsselregion für die Zukunft Deutschlands und Europas. Deshalb brauche Deutschland eine Neuausrichtung seiner Asienpolitik. Die Bundesregierung wolle die Beziehungen zu Asien intensivieren. Und sie strategischer gestalten. Um seine Ausführungen und seine Entscheidung zu unterstreichen, wartete der Minister auch mit Zahlenbeispielen auf, die die Rolle Asiens als Kontinent der Superlative belegten: Asien sei die Heimat der weltgrößten Wirtschaften, der am schnellsten wachsenden Märkte. In Asien lebten 4½ Milliarden Menschen, es sei damit die bevölkerungsreichste Region der Welt. In Asien werde die Hälfte aller Güter, die weltweit verschifft werden, be- oder entladen. Neun der zehn größten Container-Häfen seien in Asien.

Schließlich mahnte, und auch dies ein wichtiger Hinweis, der Außenminister, dass man in Deutschland von manchen Klischees der Vergangenheit Abschied nehmen und „an einigen Stellen gründlich nachjustieren“ müsse . Das gelte ganz sicher auf der wirtschaftlichen Ebene. Über Jahrzehnte hinweg habe man Asien, allen voran China, als Absatzmarkt für eigene Waren verstanden, als preiswerte Produktionsstätten. Das sei nicht völlig verkehrt - Volkswagen verkaufe zum Beispiel mittlerweile 40% seiner Autos allein in China. Aber China sei inzwischen längst auf dem Weg zum Technologieexporteur.

Außenminister Gabriel hat sein Amt am 27. Januar ds. J. angetreten, also vor etwa 2 Monaten. In aller Bescheidenheit: seine Botschaft verrät Tatkraft und Entscheidungsfreude, etwas, was für die Leitung des Auswärtigen Amtes von vitaler Bedeutung ist. All diejenigen in Deutschland, die sich näher mit Asien und insbesondere auch China befassen, denen die deutsch-chinesischen Beziehungen vielleicht sogar eine Herzensangelegenheit sind, können über Gabriels Entscheidung nur tiefe Genugtuung empfinden. Wie sagte der Minister doch auch: „Asien ist eine Schlüsselregion für unsere Zukunft hier in Europa. Denn die Wege zur Lösung unserer globalen Herausforderungen verlaufen durch Asien.“ Und an anderer Stelle: „Wichtig ist, dass Asien als Schlüsselregion der Zukunft noch stärker in den Köpfen und in unserer täglichen Politik ankommt – im Auswärtigen Amt, in der Bundesregierung und in der EU.“

(Quelle Titelbild: Auswärtiges Amt)

von Dr. Michael Borchmann

Ministerialdirigent a.D. (Land Hessen)

Mitglied des Justizprüfungsamtes Hessen

Beirat der CIIPA des Handelsministeriums der VR China

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