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Frank Sieren: Gesundes Wachstum

2017-04-20 13:06:53 de.china-info24.com

Chinas Quartalszahlen bekräftigen, dass China der Wachstumsmotor der Welt bleibt. Dieter Zetsche, Vorstand der Daimler AG, hat es in Mitte der Woche zum Auftakt der Automesse in Shanghai auf den Punkt gebracht: „Chinas BIP war im ersten Quartal 6,9 Prozent und unser Wachstum war im ersten Quartal 37 Prozent. Keine dieser Nummern geben mir Anlass pessimistisch zu sein.“ Dass Mercedes Autos nun gerade bei den chinesischen Käufern beliebt sind, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass der gesamte Automarkt zuletzt etwas nachgelassen hatte. Denn viele der künftigen Autokäufer haben erst mal abgewartet, wie Peking die Regeln für E-Autos weiterentwickelt. Für die umweltfreundlichen Elektro-Autos hatte die chinesische Regierung bis Ende vergangenen Jahres noch Subventionen gezahlt. Zudem ist es einfacher für sie eine Zulassung zu bekommen als für die umweltschädlichen Benziner. Auf der Automesse in Shanghai, die Mitte dieser Woche begonnen hat, zeichnet sich deutlich ab, in welche Richtung es in der Hinsicht in China weitergeht. Vor allem Akku-Autos stellen die Autobauer vor. Egal ob die Heimischen oder die Ausländischen. Denn Peking denkt über eine Quote für die Produktion von Autos mit elektrischem Antrieb nach. Wie die Regelungen im Detail ausfallen, ist unerheblich, denn es wird nichts daran ändern, dass für die gesamte Autoindustrie in China der Zukunftsmarkt liegt. So wurden im vergangenen Jahr 23 Millionen PKW im Reich der Mitte verkauft und für dieses Jahr rechnen die Experten damit, dass die Zahl der verkauften Autos in China trotz der zuletzt bei den Käufern aufgekommenen Zögerlichkeit, auf 25 Millionen steigen wird.

Je mehr China wächst, desto wichtiger wird die Frage, worauf das Wachstum basiert. Denn im 1. Quartal dieses Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt immerhin mit 6,9 Prozent so stark wie seit dem dritten Quartal 2015 nicht mehr gewachsen.

Eine Säule des Wachstums überraschte besonders: vor allem auch die Industrie hat zu dem Plus verholfen. Die Industrieproduktion wuchs im März um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - ebenso hoch wie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Dafür haben sich die Betriebe teils hoch verschuldet. Doch der Vorwurf, dass das Wachstum nur auf Pump beruht, ist zu einseitig. Berücksichtigen muss man dann schon, ob sich die Schulden nicht als gute Geschäftsstrategie erweisen, weil sich damit Produkte herstellen lassen, die Abnehmer finden. Ein Wachstum auf Pump wäre sicherlich nicht gerechtfertigt und fatal, wenn dann die Nachfrage ausbleibt. Doch die Binnennachfrage brummt und Exporte fangen sich. Sie stiegen im März so sehr wie seit zwei Jahren nicht mehr um 16,4 Prozent (in Dollar gerechnet. In Yuan betrug der Anstieg des Exports sogar über 20 Prozent.).

Dabei ist es gerademal zwei Jahre her, als die Welt bemerkte, dass die chinesische Regierung die Wirtschaftsreformen und Finanzmarktreformen nicht so schnell erfolgreich umsetzen konnte, wie sie sich einst als Ziel gesetzt hatte. Ungünstig war zudem, dass sich die internationale Weltkonjunktur gleichzeitig zunehmend abkühlte.

Das jetzige Wachstum deutet jedoch daraufhin, dass die Reformen, die China durchsetzen will, allmählich greifen und auf stabilen Säulen ruht.

Selbst die Achterbahnfahrten an den Finanzmärkten nehmen nicht mehr so abenteuerliche Formen an, wie im Sommer vor zwei Jahren, als der chinesische Aktienmarkt in Shanghai binnen eines Monats um 30 Prozent eingebrochen war. Das zeigt, dass nicht nur die Wirtschaftsreformen laufen, sondern auch die Finanzmarktreformen.

Das Erstaunliche ist, dass trotz nicht beigelegtem Handelsstreit mit den USA, der Gefahr, dass die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA zu eskalieren drohen, Chinas Wirtschaft belastbarer zeigt, als viele es erwartet haben.

Besonders die Konsumzahlen überzeugen an Chinas Wachstum. Allein im Einzelhandel stiegen die Verkäufe um 10 Prozent im ersten Quartal. Doch kein Mensch ist zum Konsum gezwungen, vor allem in Zeiten niedriger Inflation nicht. Und insofern ist folgende Zahl schon erstaunlich. Zwar ist die Industrie gut dabei, aber der Konsum allein trägt über zwei Drittel zum Wachstum bei.

Aber auch ein Zuwachs von 18 Prozent an neuen Wohnungsverkäufen stützt das Wachstum erheblich. Dieser Wachstumsbereich wird allerdings nicht von Dauer sein. Peking hat bereits strengere Regeln in Aussicht gestellt, demnach müssen Käufer in den Metropolen Chinas künftig mehr Kapital mitbringen, um eine Zweitimmobilie zu erwerben. Die Regel betrifft vor allem Städte, in denen der Quadratmeterpreis sowieso schon am teuersten ist. Die Preise liegen häufig über denen, die Käufer für Quadratmeter in New York oder London bezahlen. Aber auch hier ist die Lage so, dass der Staat die Menschen am Geld ausgeben hindern muss und nicht etwa umgekehrt. Geholfen hat auch nicht, dass ausgerechnet Chinas Milliardär Wang Jianlin von einer Blase auf dem Immobilienmarkt sprach. Er selbst verdient sein Geld in der Immobilienbranche.

Unser Kolumnist, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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