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Deutschland8 - nicht nur bloß eine Ausstellung!

2017-09-19 09:40:29 de.china-info24.com Dr. Michael Borchmann

In acht Städten Nordrhein-Westfalens fand 2015 die Ausstellungsreihe „China8 - Zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr" statt. Über 500 Werke von 120 chinesischen Künstlern wurden in neun Museen gezeigt. Die Resonanz war groß. Fast 120.000 Menschen besuchten die Ausstellungen an acht verschiedenen Orten im traditionellen industriellen Zentrum Deutschlands, eine für deutsche Verhältnisse außerordentlich beachtliche Zahl. Der Startschuss zur deutschen Korrespondenzausstellung fiel am vergangenen Sonntag, dem 17.9., in Beijing. Zur Eröffnung in der „Verbotenen Stadt“ vor dem kaiserlichen Ahnentempel angereist war der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel. Die Ausstellung versammelt 50 zeitgenössische Künstler mit rund 350 Werken. Gemeinsame Veranstalter sind die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn und die Central Academy of Fine Arts, Beijing. Ihre Hauptsponsoren sind die Volkswagen AG und Air China. Hinzu kommen neben dem deutschen Auswärtigen Amt zahlreiche weitere Förderer aus der Wirtschaft. Zu sehen sind die Werke an acht Ausstellungsorten in Beijing, darunter im CAFA-Museum, Today Art Museum, Minsheng Museum, Red Brick Museum und im Tai Miao Tempel in der „Verbotenen Stadt“.

In seiner Eröffnungsrede rühmte Außenminister die große Symbolik des Eröffnungsortes: China öffne sich seit Jahren wirtschaftlich. Und auch politisch trage es viel Verantwortung in der Welt. Um sich auch kulturell zu öffnen, gebe es keinen besseren Ort als diesen. Gabriel erinnerte in diesem Zusammenhang an einen enorm starken bilateralen Handelsaustausch, den man sowohl aus chinesischer als auch aus deutscher Sicht weiter entwickeln wolle, gerade in Zeiten, in welchen im internationalen Handel neue Mauern aufgebaut würden oder manche Protektionismus an die Stelle eines freien Welthandels setzen wollten. Es gebe auch einen politischen Dialog, der nicht nur sehr eng getaktet, sondern auch vertrauensvoll sei. Dabei dürfe man aber nicht stehenbleiben, denn das Herz der bilateralen Beziehungen schlage dort, wo sich eben nicht nur Politiker, Diplomaten und Geschäftsleute begegneten, sondern die Vertreterinnen und Vertreter beider Gesellschaften. Den Menschen sei Gelegenheit zu geben, sich durch Kunst oder Kultur des jeweils anderen Landes beeindrucken oder inspirieren zu lassen. Das sei sein Verständnis einer lebendigen Partnerschaft. Und Außenminister Gabriel brachte in seinen Worten auch noch eine weitere Symbolik ins Spiel: Er habe ja bereits 2015 die Ausstellung China8 in Duisburg eröffnet, ein Ort mit großer Symbolkraft für die neue Seidenstraße, das Belt-and-Road-Projekt von Präsident Xi Jinping. Eine einfühlsame Rede des deutschen Außenministers also, mit Fokus auf dem aktuellen Kunstprojekt, dieses jedoch – über den Tellerrand hinausschauend – einbindend in den größeren Zusammenhang der intensiven bilateralen Partnerschaft, auch in den von Globalisierung und Seidenstraßenprojekt. Aber: Ein kleiner Beigeschmack bleibt doch. Gab es da nicht in jüngster Zeit gar nicht so globalisierungsfreundliche deutsche nationale Initiativen und auch solche innerhalb der Europäischen Union, das Engagement chinesischer Investoren in deutschen Unternehmen zu erschweren? Lässt sich nicht immer noch in der deutschen Politik ebenso wie in derjenigen westlicher EU-Mitgliedstaaten und EU-Institutionen eine deutliche Zurückhaltung gegenüber dem Seidenstraßenprojekt entnehmen? In aller Bescheidenheit wünsche ich dem deutschen Außenminister, dass die löblichen Worte in Beijing eine feste Orientierung für sein weiteres Handeln bilden, nicht nur in Beijing, sondern auch in Berlin und Brüssel.

Dr. Michael Borchmann

Ministerialdirigent a.D. (Land Hessen)

Mitglied des Justizprüfungsamtes Hessen

Beirat der CIIPA des Handelsministeriums der VR China

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