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Meinungsfreiheit, ja – Freiheit zur gezielten Provokation? Nein Danke!

2017-11-24 23:44:54 de.china-info24.com Dr. Michael Borchmann

Deutschlands Grundgesetz garantiert in seinem Artikel 5 die Meinungsfreiheit. „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern,“ heißt es dort unter anderem. Gerade in Frankfurt wird davon viel Gebrauch gemacht. Einmal sind es Kurden, ein anderes Mal Palästinenser und wieder ein anderes Mal hier kaum bekannte muslimische Splittergruppen, die mit lauten Parolen durch die Stadt ziehen oder auch nur an Ständen Passanten ihre speziellen Ansichten nahebringen wollen. Und die meisten Passanten gehen mit der Schulter zuckend vorbei. Dieses Recht steht natürlich auch den sogenannten „exil-tibetischen“ Organisationen zu und den sich als „Freundeskreise“ deklarierenden Gruppen. Mögen Sie auf der Frankfurter Einkaufsstraße „Zeil“ einen Demonstrationszug veranstalten, oder auch auf dem Rathausplatz am „Römer“. Die Geschehnisse, die jetzt zur Absage des Fußballspiels zwischen der chinesischen U 20-Nationalmannschaft und dem FSV Frankfurt geführt haben, lassen jedoch ein sehr ungutes Gefühl zurück.

Was ist der Hintergrund? Im Rahmen der Unterzeichnung einer Partnerschaft zwischen dem Deutschen Fußballbund (DFB) und dem Chinesischen Fußball-Verband (Chinese Football Association – CFA) vor Jahresfrist wurde eine Vielzahl von Kooperationsprojekten vereinbart. Dabei wurde auch eine Serie von Freundschaftsspielen der chinesischen U 20-Junioren gegen Mannschaften der Regionalliga Südwest beschlossen. Zielsetzung der Verbände: Die sportliche Entwicklung der U 20 des Chinesischen Fußball-Verbandes sowie die Beziehung zwischen beiden Nationen weiter zu kultivieren. Ein schönes Projekt, das sich eigentlich harmonisch in die umfassenden und sich immer weiter vertiefenden bilateralen Beziehungen einfügt.

Aber bereits vor einer Woche beim Auftakt der Spiele war „Sand im Getriebe“. Im ersten Spiel gegen eine Mainzer Mannschaft wurden während des Spieles demonstrativ durch tibetische Dissidenten und deutsche Unterstützer – sonst bei Fußballspielen in Mainz niemals zu sehen - tibetische Fahnen gezeigt, was zu einer längeren Spielunterbrechung durch die chinesischen Spieler führte. Die deutschen Medien schenkten diesem Vorfall mehr Aufmerksamkeit als dem Spiel selbst. Vor allem diejenigen, die für die Störung des Spieles den Anlass gaben, fanden große Medienbeachtung. Die Folge: Auch zu dem am 25.11.2017 angesetzten Spiel der chinesischen U 20 beim FSV Frankfurt wurden „Anti-China-Banner“ angekündigt. Es waren Gruppen zu erwarten, die die populäre Bühne Fußball benutzen wollten, durch anti-chinesische Provokationen eine Medienresonanz zu erzielen, die sie sonst nicht haben. Allgemein erscheint es mir überhaupt die Strategie dieser Gruppierungen zu sein, dorthin zu ziehen, wo man durch Provokationen einen Keil in die guten deutsch-chinesischen Beziehungen treiben kann. Und hinter dieser Strategie scheinen sehr durchdachte Planungen zu stecken. Gut, in meiner persönlichen Sicht erleichtert die VR China diesen Leuten ihr trübes Geschäft dadurch, dass sie sehr empfindlich auf solche Provokationen reagiert. Mehr Gelassenheit könnte vielleicht dazu führen, dass das Medieninteresse an den Aktionen solcher „Agents Provocateurs“ sinkt. Wie auch immer: In meinen Augen reichen solche destruktiven Aktionen, gezielt auf eine Provokation und einen Eklat gerichtet, um Medienaufmerksamkeit zu erregen, über den Schutzbereich der Meinungsfreiheit hinaus. Dieses Grundrecht wird instrumentalisiert und missbraucht. Vor diesem Hintergrund ist es zu verstehen, dass die beiden Verbände das Projekt nunmehr abgebrochen und zur Begründung u.a. ausgeführt haben: „Tatsächlich wurde das Projekt von einigen wenigen Zuschauern genutzt, um Botschaften zu setzen, die von den der chinesischen Mannschaft, den Offiziellen, dem Betreuerstab des Chinesischen Fußball-Verbandes und auch den chinesischen Zuschauern als verletzend empfunden wurden. Weil nun beiden Verbänden substanzielle Hinweise auf weitere Eskalationen vorliegen, kommen DFB und CFA zum Schluss, dass diese Entwicklung nicht im Einklang mit den ursprünglich angedachten Zielen und Absichten der Freundschaftsspielserie steht.“

Leider gab es aber auch in der deutschen Öffentlichkeit und in manchen Medien Stimmen, die wenig Verständnis für die chinesischen Sorgen zeigten. Diesen möchte ich einen europäischen und einen deutschen Vergleich anbieten, die vielleicht etwas mehr Verständnis für die chinesische Position ermöglichen. 1. Spanien droht dem gewählten und im Exil befindlichen katalonischen Präsidenten mit drakonischen Haftstrafen wegen separatistischer Aktivitäten. Von einer Empörung der deutschen Öffentlichkeit hierüber ist mir nichts bekannt. 2. Man stelle sich vor, die polnische U 20 sei statt der chinesischen angetreten, eine Gruppe von Dissidenten hätte ein Banner hochgehalten „Breslau bleibt deutsch“ und die polnische U 20 hätte den Platz verlassen. Ich denke einmal, es hätte einen Sturm der Entrüstung über diese Verletzung der Gäste gegeben und möglicherweise sogar eine polizeiliche Entfernung des Banners. Daher frage ich mich: Verdienen unsere chinesischen Gäste etwa weniger Respekt?

Dr. Michael Borchmann

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