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Rede anlässlich des 80. Jahrestages des Beginns des Massakers von Nanjing am 13.12.1937

2017-12-15 09:56:28 de.china-info24.com Dr. Michael Borchmann

Sehr verehrte Frau amtierende Generalkonsulin Sun,

sehr geehrter Herr Chefredakteur Hu,

sehr geehrte Veranstalter, sehr geehrter Herr Wang Ronghu,

verehrte Gäste, verehrte Anwesende,

seien Sie herzlich gegrüßt!

Ich danke den Veranstaltern sehr für die Ehre, bei einer solchen Gedenkveranstaltung das Wort an Sie richten zu dürfen. Das Besondere ist, dass ich nicht als Chinese, sondern als Europäer zu diesem Anlass zu Ihnen spreche.

Es geht hier um ein Geschehen, das in China in einer ganz anderen Art und Weise in den Köpfen der Menschen präsent ist als hierzulande.

Ich selbst bin nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich habe die höhere Schule besucht und mich in der Schulzeit in besonderem Maße für Geschichte interessiert. Ich habe in Deutschland und in England studiert und habe im aktiven Berufsleben eine Position eingenommen, die in engem Kontakt mit dem öffentlichen Leben und der Politik stand.

Aber ich muss gestehen: Von den Massakern in Nanjing habe ich erstmals auf Grund meiner engen beruflichen und persönlichen Kontakten zu China gehört.

Das Wort Massaker begegnete mir erstmals als junger Mensch, als in der Presse von dem Massaker von Mỹ Lai berichtet wurde, bei dem eine Einheit der US-Armee etwa 500 wehrlose Vietnamesen brutal ermordete. Viele junge Menschen wie ich waren damals entsetzt und wütend über das Geschehnis, und wir waren noch entsetzter, als nach gescheiterten Vertuschungen durch offizielle Stellen in den USA auf Druck der internationalen Öffentlichkeit letztendlich ein einziger US-Offizier gerichtlich verurteilt und dann umgehend durch den US-Präsidenten begnadigt wurde. Es stimmte betroffen zu sehen, wie die Gerechtigkeit von der Arroganz der Macht mit Füßen getreten wurde.

Natürlich hatten wir damals auch von manchen Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkrieges gehört. Davon, dass diejenigen der Deutschen in zahlreichen Kriegsverbrecherprozessen geahndet wurden. Allerdings auch, dass Dinge wie die gezielte Massentötung von Zivilisten durch alliierte Bomben ungeahndet blieben.

Und von dem asiatischen Kriegsschauplatz drang bei uns eigentlich nichts an eine breite Öffentlichkeit durch. Allenfalls, dass der Atombombenabwurf über Nagasaki nur noch die Zivilbevölkerung eines geschlagenen und bereits in Agonie liegenden wehrlosen Landes traf. Eine Ahnung davon, dass japanische Soldaten schlimme Dinge in China angerichtet hatten, bekam ich erst durch eine in Deutschland ausgestrahlte japanische Fernsehserie: „Barfuß durch die Hölle“. Sie zeigte das Schicksal eines aufrechten japanischen Angehörigen der Besatzungsadministration, der Brutalitäten seiner Landsleute gegen Chinesen erleben musste.

Und wie ich eingangs schon sagte: Ohne meine engen Kontakte im späteren Berufsleben hätte ich kaum etwas über die Massaker in Nanjing erfahren.

Und die Dimension dieser Massaker ist erschreckend, unvorstellbar.

Dabei geht es nicht einmal um die in einzelnen Berichten unterschiedlich angegebene genaue Zahl der Opfer dieser Massaker. Ob es nun 300.000, 200.00 oder 100.000 waren: Jedes einzelne Menschenleben zählt.

Vor allem aber geht es auch darum, wie diese Opfer ermordet wurden. Mit unvorstellbarer Grausamkeit! Lassen Sie mich hier einige Angaben machen, die so drastisch sind, dass sie selbst in einiger von ständiger Gewalt geprägten Welt noch aufrütteln müssen und die Einmaligkeit der Vorgänge in Nanjing einprägen.

Das Informationsportal Wikipedia berichtet:

„Die Art der Tötungen in der Stadt und ihrer Umgebung war verschieden. Zivilisten (Kinder und Kleinkinder eingeschlossen) und Kriegsgefangene wurden zu Tausenden mit dem Bajonett erstochen, erschossen, geköpft, ertränkt und lebendig begraben.“

An anderer Stelle wird über die Aussagen von Überlebenden berichtet:

„Nach deren Aussagen schnitten die marodierenden japanischen Soldaten Frauen die Brüste ab, nagelten Kinder an Wände oder rösteten sie über offenem Feuer. Sie zwangen Väter, ihre eigenen Töchter zu vergewaltigen und kastrierten chinesische Männer. Sie häuteten Gefangene bei lebendigem Leib und hingen Chinesen an ihren Zungen auf.“

Meine Damen und Herren,

ich habe kaum einmal erschütterndere Dinge gelesen als diese. Oder von dem „Wettkampf“ zweier japanischer Offiziere, wer als erster 100 Chinesen mit dem Schwert getötet hätte!

Als Deutscher habe ich mit Genugtuung gelesen, dass es der deutsche Siemens-Manager war, der durch beherzte Aktionen 200.000 Chinesen in Nanjing das Leben gerettet hat.

Rabe setzte sich während des Massakers von Nanking (auch Nanjing) 1937/38 für die Errichtung einer etwa zwei mal zwei Kilometer großen Schutzzone ein, um der chinesischen Zivilbevölkerung Schutz vor den japanischen Soldaten zu bieten.

Gewiss, die Verantwortlichen wurden nach der Niederlage Japans zur Verantwortung gezogen. Aber das Schweigen von großen Teilen der internationalen Öffentlichkeit wird dem Gedenken der Opfer von Nanjing nicht gerecht. Ihrer Würde wird nur dadurch Rechnung getragen, dass der Weltöffentlichkeit immer und immer wieder die Einmaligkeit dieser Verbrechen vor Augen geführt wird.

Und dazu tragen als Mosaiksteine auch Veranstaltungen wie Ihre hier im Ausland bei.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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