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Neue beste Freunde

2018-01-11 09:45:05 de.china-info24.com Frank Sieren

Donald Trump begann das Jahr gewohnt in Angriffslaune. Nichts als Lügen und Täuschung" hätten die USA in den vergangenen 15 Jahren durch den Verbündeten Pakistan erfahren, tobte der US-Präsident in einem am ersten Januar abgesetzten Tweet. Trotz Milliardenhilfe durch die USA sei Pakistan ein sicherer Hafen" für Terroristen geblieben, warf Trump der Regierung in Islamabad vor. Und fuhr in gewohnt öffentlichkeitswirksamer Anti-Diplomatie fort: Sie dachten wohl, die Führer unseres Landes seien Idioten. Nie mehr!"

Dass der zornige Neujahrsgruß mehr war als nur heiße Luft, zeigte sich drei Tage später, als Washington die Militärhilfen für Pakistan bis auf weiteres aussetzte. Und zwar so lange, bis Islamabad Maßnahmen gegen die auf pakistanischem Boden aktiven Taliban und das mit ihnen verbündete Haqqani-Netzwerk ergreife. Pakistan fühlt sich erpresst. Man sei „tief enttäuscht“ erklärte Premier Shahid Khaqan Abbasi. Dass die Taliban Teil der pakistanischen Gesellschaft und nicht durchweg Terroristen sind, kann sich Trump offenbar nicht vorstellen.

Wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte: Peking nutzt die Verstimmung um sich noch deutlicher als Pakistans verlässlicher Partner zu positionieren. Als Antwort auf Trumps Beschuldigungen bescheinigte Geng Shuang, der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, dass Pakistan bei der Bekämpfung des Terrorismus bereits große Erfolge verzeichnen konnte und große Opfer auf sich genommen habe. Wie man jemandes Gesicht wahrt, wissen die Chinesen. Und langsam dürfte auch dem Rest der Welt klar sein, dass Trump mit seinen Drohungen und Sanktionen vor allem Peking Tür und Tor öffnet, um seinen Handlungsspielraum auszuweiten. Die staatliche chinesische Zeitung Global Times" brachte sogar die Möglichkeit eines chinesischen Militärstützpunktes auf pakistanischem Boden ins Spiel. Peking und Pakistan dementieren das bislang. Auch ohne Militärbasis ist Pekings Präsenz in Pakistan ohnehin bereits weit ausgebaut. Knapp 60 Milliarden US-Dollar investiert China in einen gemeinsamen China-Pakistan-Economic-Corridor", kurz CPEC. Der Korridor, der eine Erweiterung innerhalb Chinas Neuer Seidenstraße" darstellt, beinhaltet zahlreiche Projekte zur Verbesserung der pakistanischen Transport- und Energieinfrastruktur. Dazu gehören neue Straßen- und Schienenverbindungen, Kohlekraftwerke, Windfarmen aber auch Tiefseehäfen wie jenen in der Hafenstadt Gwadar, den Peking bis 2022 zu einem der wichtigsten Frachtumschlagplätze Südasiens ausbauen will. Derzeit ist da allerdings nicht wenig Betrieb. Vor allem Öl und Gas soll von Gwadar über neugebaute Autobahnen auf direktem Weg in Chinas westliche Provinzen gelangen. Eine Pipeline soll es auch geben.

Keinem anderen Land hat sich Pakistan bisher so sehr für ausländische Investitionen und Kooperationsmaßnahmen geöffnet wie für China. Experten gehen davon aus, dass der CPEC im Zeitraum von 2015 bis 2030 bis zu 700.000 neue Arbeitsplätze schaffen und etwa 2 bis 2,5 Prozent zu Pakistans Wirtschaftswachstum beitragen wird.

China verfolgt dabei auch das langfristige Ziel, Terrorbedrohungen in den Regionen zu minimieren, durch die die Neue Seidenstraße" verläuft. Die Länder, die an dem gewaltigen Infrastrukturprojekt beteiligt sind, sollen durch wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, sich innenpolitisch festigen und außenpolitisch enger mit ihren Nachbarn zusammenrücken. Mit der Neuen Seidenstraße" will China vor allem auch den USA beweisen, dass sich Krisenregionen nicht nur mit Waffen sondern auch mit dem Export von Waren befrieden oder zumindest stabilisieren lassen. Sicher ist das nicht. Aber es kommt auf einen Versuch an.

Pakistan kommt China dabei entgegen. So wurde etwa eine 15.000 Mann starke Armeedivision gegründet, um die chinesischen Infrastrukturprojekte im Land zu beschützen. Auch dürfen pakistanische Unternehmen von nun an ihren Handel in chinesischen Yuan abwickeln, wie die State Bank of Pakistan (SBP) Anfang des Jahres bekannt gab. Ein wichtiger Schritt für Peking, um den Dollar im internationalen Handel zurückzudrängen und den Einflussbereich der eigenen Währung weiter zu stärken.

Islambad suchte in den USA lange einen verlässlichen Partner, um Pakistan eine gewisse Sicherheit gegenüber dem Erzfeind Indien zu garantieren. Auch hier springt China mittlerweile in die Bresche. Zusammen mit Russland setzte sich Peking dafür ein, Indien und Pakistan in die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit aufzunehmen. Im Juni letzten Jahres war es dann so weit. Die beiden Streithähne saßen plötzlich an einem Tisch. Die 2002 gegründete Organisation, kurz SZO, fungiert als ein der NATO nicht unähnliches Sicherheitsbündnis, das für mehr außenpolitische Zusammenarbeit in Zentralasien sorgen soll. Neben Pakistan, Indien und China gehören noch Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan dazu. Andere Staaten, wie etwa der Iran und Afghanistan, haben Beobachterstatus. Im Dezember eröffnete Peking außerdem eine neue Serie von Vermittlungsgesprächen zwischen den Außenministern von China, Pakistan und Afghanistan. Chinas Außenminister Wang Yi sagte, man wolle die Beziehungen zwischen Kabul und Islamabad verbessern und Lösungen finden für den Krieg mit den Taliban und die Bedrohung durch den Islamischen Staat (IS). Zudem wolle man Afghanistan so bald wie möglich in den gemeinsamen Wirtschaftskorridor integrieren. China und Pakistan seien bereit, den chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridor auf der Grundlage von Win-Win-Prinzipien auf Afghanistan auszudehnen", erklärte Wang.

Trump setzt unterdessen lieber auf Spaltung und Isolation. Im Rahmen der neuen Indo-Pazifik-Initiative will Washington eine Allianz mit Indien aufbauen und zusammen mit Australien und Japan ein Gegengewicht zu China schaffen. Pakistan kommt in diesem Plan nicht vor. Dabei ist das US-Militär bei seinem Einsatz in Afghanistan nach wie vor auf die Nachschublinien und Flugrouten durch Pakistan angewiesen. Eine Alternative existiert bislang nicht. So dürfen etwa auf den Versorgungslinien über Tadschikistan nur nichttödliche" Güter wie Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente transportiert werden. Mit seiner polternden Anti-Diplomatie wird sich Trump in der Region jedoch so bald kaum neue Freunde machen. Was bei den Wählern zu Hause gut ankommt, spielt international vor allem China in die Hände.

Unser Korrespondent der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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