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Bo’ao 2018: Das Weiche besiegt das Harte

2018-04-10 15:01:46 de.china-info24.com Dr. Michael Borchmann

Man kann getrost sagen, dass in diesen Tagen die Augen der Weltöffentlichkeit auf Bo’ao im südchinesischen Hainan gerichtet sind, wo seit dem 8. April bis zum 11. April 2018 das diesjährige Bo’ao-Forum für Asien (BFA) stattfindet. In Europa gerne als asiatisches Gegenstück zum Davos-Forum in der Schweiz bezeichnet, hat sich das BFA inzwischen zu weit mehr entwickelt. Es ist heute die zentrale wirtschaftliche Entwicklungsplattform Asiens, also desjenigen Teiles der Erde mit der größten Fläche, der größten Bevölkerung und der größten Wirtschaftsdynamik weltweit. Und diese hohe Bedeutung dokumentiert sich auch in der Teilnahme zahlreicher herausragender weltpolitischer Akteure, unter ihnen der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Guterres und die Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde.

„Open and Innovative Asiafor a World of Greater Prosperity” – „Ein offenes und innovatives Asien zum Wohle der Welt” – heißt das Leitmotiv der diesjährigen Tagung. Als die vier Themenschwerpunkte wurden gesetzt: Globalisierung und die „Belt-and-Road“-Initiative, ein wirtschaftlich offenes Asien, Innovation und Reformen. Dies alles sind erkennbar essentielle und zentrale Themen, sei es der „Reformaspekt“ im Zeichen des 40. Jahrestages der beispiellos erfolgreichen chinesischen Reform- und Öffnungspolitik, sei es die Zuwendung zur Innovation als roter Faden des von China gerade seit dem 13. Parteikongress der KPCh eingeschlagenen Zukunftsweges. Das gilt gerade auch für die „Belt-and-Road-Initiative“, der sich bereits 40 asiatische Staaten angeschlossen haben, wohl wissend, dass dieses große „Weltkonjunkturprogramm“ ihre einmalige Chance ist, die eigene Infrastruktur so zu entwickeln, dass sie den Herausforderungen der globalen Wirtschaft der Zukunft gewachsen ist. Als Europäer und Deutscher sehe ich da übrigens mit Bedauern das Zaudern und Zögern, das hier die EU und eine Reihe ihrer Mitgliedstaaten an den Tag legen. Und so waren von den EU-Mitgliedstaaten lediglich die Niederlande und Österreich – sich übrigens durch pragmatische und Orientierung an den sachlichen Erfordernissen auszeichnende Länder – durch Regierungschef bzw. Staatsoberhaupt vertreten. Innerhalb der EU selbst mit vielen in den Schablonen der Vergangenheit verharrenden Akteuren und in einer Reihe von Mitgliedstaaten ist dagegen immer noch ein Mäkeln an der Initiative zu vernehmen: „Belt-and-Road“ diene lediglich dazu, China eine Vorherrschaft in der Welt zu verschaffen. Und gerade hierzu hat Chinas Staatspräsident Xi Jinpingin seiner Rede zur Eröffnung des Forums deutliche und überzeugende Worte gesagt: Er hat jeglichem Hegemoniestreben und jeglicher Machtpolitik eine klare Absage erteilt und auch nochmals sehr deutlich gemacht, dass „Belt-and-Road“ gerade keine „Hegemonie-Initiative“ ist, sondern ein gemeinsames Werk zum Wohle aller.

Aber jenseits dieser – wie schon gesagt – sehr bedeutenden Themen war natürlich die Weltöffentlichkeit vor allem auf die Äußerungen Xi Jinpings vor dem Hintergrund der aktuell aufziehendendunklen Wolken von verschärftem Protektionismus zu zunehmender nationaler Abschottung gespannt. Erinnern wir uns an die Geschehnisse der zurückliegenden Tage und Wochen: US-Präsident Trump hat die VR China an den Welthandelsmechanismen vorbei mit massiven Strafzöllen überzogen. Die chinesische Regierung hat den USA immer wieder die ausgestreckte Hand entgegengehalten und vor dem weltweiten Schaden eines Handelskonfliktes gewarnt. Und als sie schließlich als Reaktion – schon ein Gebot der Selbstachtung–entsprechende eigene Maßnahmen ankündigte, erlebte man einen beleidigten US-Präsidenten („Chinas unfaire Vergeltung“), der zugleich „Öl ins Feuer goß“ und eine weitere Eskalation androhte. Eine „Logik“, die sich einem vernünftig denkenden Menschen einfach nicht erschließen will.

Vor diesem Hintergrund also wartete man mit Spannung auf die Ausführungen Xi Jinpings in Bo’ao.

Lassen Sie mich, bevor ich diese Ausführungen kommentiere, ein wenig ausholen. Bereits vor vielen Jahren habe ich begonnen, mich mit China zu befassen. Nämlich mit etwas, das heute zum immateriellen Kulturerbe Chinas gehört: Den daoistischen inneren Kampfkünsten – Nèijiāquán, also mit Tàijíquán, Bāguàzhǎng und Xíngyìquán. Allen diesen Kampfkünsten ist ein besonderes Prinzip eigen: Das Weiche besiegt das Harte. Diese Dinge tauchten bei Xi Jinpings Rede wieder in meinem Gedächtnis auf. Er begegnete der Härte und Kompromisslosigkeit von jenseits des Pazifik nicht mit der Härte und Aggression einer Großmacht. Vielmehr strahlte er bei seiner Rede Wärme, Herzlichkeit und Friedfertigkeit aus. Dies begann bereits bei den Begrüßungsworten für die BFA-Teilnehmer, in denen er auf Hainans warmen Sonnenschein verwies und dieser Sonnenschein sich in seinem Gesicht widerspiegelte. Und er baute in seiner Rede Vertrauen auf. Er reichte die Hand zu Verständigung, Ausgleich und Kompromiss, weil – so Präsident Xi– „nur Offenheit dem Wohle der Menschheit diene“. Und Chinas Präsident beließ es nicht bei abstrakten Äußerungen, sondern er kündigte weitreichende Schritte an, mit denen China seinen Beitrag zu dieser Offenheit leisten wolle. So werde China die Zölle auf importierte Kraftfahrzeuge senken und auch weitere Zölle reduzieren, man werde den Finanzsektor öffnen und Investitionsbeschränkungen in China in den Bereichen Automobile, Luftfahrtindustrie und Schiffsbau abbauen. Und endlich: Der Schutz der Urheberrechte werde in China weiter verstärkt und ausgebaut. Während die Attacken des US-Präsidenten gegen die Welthandels-Einrichtungen sich kaum noch zählen lassen, befürwortete Xi Jinping nachdrücklich den multinationalen Handelsrahmen. Nach der Aufsehen erregenden Globalisierungs-Rede des chinesischen Staatspräsidenten vor mehr als einem Jahr in Davos ist festzustellen, dass er jetzt in handelspolitisch angespannten Zeiten erneut ein ganz besonderes Zeichen gesetzt hat, ein Zeichen für Dialog statt Konfrontation. Und er hat zugleich deutlich gemacht, dass das Weiche über das Harte, Starre und letztlich Abgestorbene siegen muss.

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