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7. Deutsch-Chinesischer Mediendialog: Erst einander verstehen, dann übereinander schreiben!

2018-05-11 04:18:14 de.china-info24.com Dr. Michael Borchmann

„Der chinesisch-deutsche Mediendialog ist zu einer wichtigen jährlichen Veranstaltung für Medienschaffende der beiden Länder geworden, um Ideen auszutauschen und die Zusammenarbeit zu stärken“, erklärte Guo Weimin, Vize-Minister im Informationsbüro des Staatsrates (SCIO), am 7. Mai in Berlin. Der Anlass: Die Eröffnung des 7. Deutsch-Chinesischen Dialogs zur Medienordnung auf Regierungsebene mit den Themen „Internationale Kommunikation in Zeiten Sozialer Medien“ und „Globalisierung und globale Verantwortung: Rolle der Medien“. Vize-Minister Guo führte weiter aus, dass chinesische und deutsche Medien sich dafür einsetzen sollten, die strategische Partnerschaft zwischen China und Deutschland zu festigen, bilaterale Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu fördern und den Mensch-zu-Mensch-Austausch zu stärken. Und endlich: „Wir sollten die wirtschaftliche Globalisierung fördern, den Freihandel unterstützen und den Protektionismus bekämpfen, und wir sollten darüber diskutieren, wie in einer Zeit weitverbreiteter sozialer Medien internationale Nachrichten verbreitet werden.“ Das Format des angesprochenen Mediendialogs wurde bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen 2011 beschlossen und findet seither abwechselnd in Deutschland und China statt. Über 40 Medienschaffende und Experten nahmen an der diesjährigen Auflage in Berlin teil.

Und die weltpolitischen Rahmenbedingungen für den aktuellen Dialog sind tatsächlich besorgniserregend. Nachdem die freie Weltwirtschaft noch weiterhin auf Grund des protektionistischen Zoll-Rundumschlags des US-Präsidenten in großen Besorgnissen über die Zukunft des Freihandels verharrt, wurde nun gerade durch diesen Präsidenten durch sein Iran-Bashing eine weitere Lunte an das sogenannte „Pulverfass Nahost“ gelegt. Auf die weltpolitischen Rahmenbedingungen nahm denn auch für die deutsche Seite der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Andreas Michaelis, Bezug: Dieses gemeinsame Vorankommen habe heute eine größere Bedeutung als je zuvor: „In Zeiten, in denen Protektionismus und Mauern die Debatte beherrschen, müssen wir auf Verständigung und Zusammenarbeit setzen.“ Was sollten wir unter „Verständigung“ und „Zusammenarbeit“ verstehen? Nun, wenn ich mir die deutsche Medienlandschaft in Sachen China betrachte, fällt mir dazu einiges ein. Da ist zum einen eine für mich immer noch wahrnehmbare Tendenz, China primär bei wirklichen oder auch nur vermeintlichen Negativentwicklungen näher in Augenschein zu nehmen, ferner bei großen Katastrophen. Eine konstruktive Berichterstattung, die ein ernsthaftes Interesse an diesem Land erkennen lässt, nehme ich dagegen eher selten wahr. Oder, was mich persönlich immer wieder ärgert, die Neuauflage der alten, in nationalistischen Zeiten missbrauchten Redewendung des Dichters Emanuel Geibel: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen.“ Dies kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn meine Landsleute der großen Kulturnation China vorschreiben wollen, wie sie sich in bestimmten rechtlichen oder staatsorganisatorischen Fragen zu verhalten habe. Einem Land mit einer eigenen, von europäischen Entwicklungen völlig abweichenden Tradition. Der bedeutende und angesehene deutsche Bundespräsident Theodor Heuss erteilte dieser Interpretation bereits 1952 eine Absage: „Es ist kein Volk besser als das andere, es gibt in jedem solche und solche. Amerika ist nicht ‚God’s own country‘, und der harmlose Emanuel Geibel hat einigen subalternen Unfug verursacht mit dem Wort, dass am deutschen Wesen noch einmal die Welt genesen werde.“

Es mag sein, dass manche Negativschlagzeile über China in deutschen Medien mit Erwartungen des jeweiligen Verfassers zusammenhängt, dadurch mehr Aufmerksamkeit zu erregen als mit positiven Meldungen. Aber ich habe doch auch sehr den Verdacht, dass sich dahinter eine tiefe Unkenntnis vieler über China verbirgt.

Es ist bemerkenswert, dass gerade am Tag des Mediendialogs das „Mercator Institute for China Studies“ die Publikation „China kennen. China können. Ausgangspunkte für den Ausbau von China-Kompetenzen in Deutschland" ebenfalls in Berlin vorstellte (https://www.merics.org/de/china-monitor/china-kompetenz). Die Untersuchung zeigt Fortschritte der vergangenen Jahre in Deutschland bei der Förderung von China-Kompetenz auf. Gleichzeitig konstatiert sie weiterhin Aufholbedarf in mehreren Bereichen. So lernten vergleichsweise wenige Schüler in Deutschland Chinesisch, und an den Hochschulen ist sei die Zahl der Sinologie-Studenten niedrig. Auch die Zahl der deutschen Studierenden, die an einem chinabezogenen Studium und einem längeren Aufenthalt im Land interessiert seien, stagniere. In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Bundesregierung mit der Kultusministerkonferenz der Länder führte der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Georg Schütte, aus: „Es ist wichtig, dass genügend Menschen in unserem Land China kennen und verstehen. Selbstbewusstes Eintreten für die eigene Position und Verständnis des anderen setzen Wissen und Erfahrung voraus. Dies gewinnt man, wenn man in China studiert, gearbeitet oder gelebt hat, wenn man Chinesisch kann und Kontakte und Beziehungen nach China pflegt“, und weiter: „Es geht darum, die China-Kompetenz in allen Bereichen zu fördern.“ Und bei dieser Förderung kommt, so ist namentlich vor dem Hintergrund des jüngsten bilateralen Mediendialogs festzustellen, gerade auch den deutschen Medien eine zentrale Rolle zu. Auch der deutsche Journalismus hat substanziell dazu beizutragen, dass die Menschen in Deutschland China kennen und verstehen. Dies erreicht man nicht durch die eine oder andere Negativberichterstattung, sondern durch eine regelmäßige und konstruktive Unterrichtung der Menschen über das reale China. Und vielleicht besteht ja zur Erfüllung dieser Aufgabe auch noch bei dem einen oder anderen Medienschaffenden noch ein wenig Nachholbedarf: Jedenfalls sollte die China-Berichterstattung vornehmlich in die Hände derjenigen gelegt werden, die selbst China ein wenig verstanden haben.

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