menu
seacher

Chinesisch-deutsche Wirtschafts- und Handelskooperation: Ein „Neustart“

2018-07-02 15:47:20 de.china-info24.com Wang Weidong

In den 46 Jahren seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland, insbesondere in den 40 Jahren seit der Reform und Öffnung Chinas, hat sich die Wirtschafts- und Handelskooperation zwischen den beiden Ländern rasant entwickelt, große Erfolge erzielt und eine beispiellose „Erfolgsgeschichte“ geschrieben.

1978 betrug das chinesisch-deutsche Handelsvolumen nur 1,68 Mrd. USD, im Jahr 2017 stieg es auf 168,1 Mrd. USD, was dem Hundertfachen von 1978 entspricht. Deutschland ist Chinas größter Handelspartner in der EU, China ist seit zwei Jahren Deutschlands größter Handelspartner weltweit. Laut Statistik stammen durchschnittlich 7% des Umsatzes von 3 Millionen deutschen Unternehmen und 15% des Umsatzes von 30 deutschen DAX-Unternehmen aus dem chinesischen Markt.

Nach Schätzungen der Wirtschaftskreise beider Länder hat das bilaterale Investitionsvolumen zwischen China und Deutschland bereits 100 Mrd. USD überschritten. Derzeit haben mehr als 5000 deutsche Unternehmen in mehr als 8000 Projekte in China investiert. Gleichzeitig haben mehr als 2000 chinesische Unternehmen in Deutschland investiert und operiert. Der Austausch zwischen chinesischem und deutschem Personal wird immer häufiger. Laut Statistik reisten im letzten Jahr 1,3 Mio. Chinesen nach Deutschland. Mehr als die Hälfte der Züge zwischen China und Europa fahren zwischen China und Deutschland. In Duisburg fährt täglich ein Güterzug aus China ein. Die chinesische und deutsche Wirtschaft waren noch nie so eng verbunden wie heute.

Rückblickend auf den Entwicklungsprozess hat die chinesisch-deutsche Wirtschafts- und Handelskooperation verschiedene Belastungsproben zu bestehen. Zwei Erfahrungen sind dabei besonders wertvoll.

Erstere ist das Verfolgen einer langfristigen strategischen Vision und die Beseitigung aller hierbei auftretenden Schwierigkeiten. 1978, im Zeichen der dritten Vollversammlung des 11. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, begann China mit der Reform und Öffnung. Zu Beginn der Reform und Öffnung, während viele multinationale Konzerne immer noch skeptisch und abwartend waren, gingen deutsche Unternehmen wie Volkswagen, Siemens und BASF nach China, haben langfristige Entwicklungsstrategien basierend auf den Perspektiven des chinesischen Marktes entwickelt und kontinuierlich über Jahre investiert. Heute haben sie durch ihre Marktposition Entwicklungsvorteile in China. Somithat sich die strategische Vision dieser „Vorkämpfer“ weltweit bewiesen. Beispiel Auto: Im Jahr 2017 verkauften drei der großen deutschen Automobilhersteller mehr als 5 Millionen Fahrzeuge in China, allein die Volkswagen-Familie verkaufte mehr als 4 Millionen Fahrzeuge und ihr Gewinn machte ein Drittel des weltweiten Gewinns aus. Es ist ein Erfolg des chinesischen Marktes, dass deutsche Autofirmen auf die schwerste Krise in der Geschichte mit Zuversicht reagieren und die Entwicklung aufrechterhalten können.

Jetzt wird in Deutschland darüber diskutiert, ob sich das Marktumfeld in China verschlechtert hat. Solange man sich China ohne rosarote Brille anschaut, kann man sehen, dass sich Chinas Marktöffnung und Investitionsumfeld im Vergleich zu früher in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess befinden. Das Rechtssystem ist im Zuge des Entwicklungsprozesses vollständiger geworden und die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Unternehmen ist kontinuierlich gestiegen. Alle Unternehmen, die auf den chinesischen Markt kommen, brauchen „echte Fähigkeiten“, um am fairen Wettbewerb teilzunehmen, die Anerkennung chinesischer Verbraucher zu erhalten und die Vorteile der chinesischen Entwicklung zu genießen.

Zweitens muss man immer die Gesamtsituation der Zusammenarbeit erfassen und darauf bestehen, Differenzen durch Dialog und Konsultation zu lösen. Die 40 Jahre der Wirtschafts- und Handelskooperation zwischen China und Deutschland waren nicht immer einfach und zentrale Herausforderungen wie die Finanzkrise und Handelsspannungen durchlebt. Premierminister Li Keqiang wird in den nächsten Tagen mit einer Delegation nach Deutschland reisen und mit Bundeskanzlerin Merkel die fünften Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen veranstalten, die der chinesisch-deutschen Wirtschafts- und Handelskooperation neue Impulse geben werden. Darüber hinaus sind bilaterale Dialogmechanismen entstanden, von denen es heute mehr als 80 gibt. Die rasante Entwicklung der chinesisch-deutschen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen und den engen Austausch hätten vor 40 Jahren noch nicht einmal die optimistischsten Menschen erwartet.

Dieses Jahr markiert das 40. Jubiläum der Reform und Öffnung. Staatspräsident Xi Jinping hielt eine wichtige Grundsatzrede bei der Eröffnungszeremonie des Boao Forums für Asien, wo er erneut Chinas Entschlossenheit und Vertrauen in die Reform und Öffnung zum Ausdruck brachte und der Welt den „Neustart“ der Reform und Öffnung erklärte. Es wird erwartet, dass die beiden Seiten das Konzept der gleichberechtigten Zusammenarbeit etablieren, aktiv nach gemeinsamen Interessen suchen und diese erweitern, ihren jeweiligen Vorteilen voll gerecht werden, die Lage der Kooperation anerkennen und gemeinsam eine „Erfolgsgeschichte“ der chinesisch-deutschen Wirtschafts- und Handelskooperation schreiben, um den beiden Völkern die Früchte der Kooperation und Entwicklung zu bringen.

Im Hinblick auf eine effektive Förderung der chinesisch-deutschen pragmatischen Wirtschafts- und Handelskooperation haben wir folgende Vorschläge:

Erstens ein klarer Standpunkt zum gemeinsamen Vorgehen gegen Handelsprotektionismus. China und Deutschland sind Befürworter und Nutznießer der Globalisierung und des Freihandels. Angesichts der gegenwärtigen schwierigen Lage unter Unilateralismus und Protektionismus sollten China und Deutschland sowie China und die EU nach Gemeinsamkeiten suchen, während Unterschiede bewahrt bleiben, eine Kooperation anstreben, Handelsprotektionismus entschieden ablehnen und das regelbasierte multilaterale Handelssystem und die normale internationale Handelsordnung schützen.

Zweitens aktiv vorwärtsstreben und Chinas neue Möglichkeiten der umfassenden Öffnung teilen. Was die wirtschaftlichen Aussichten Chinas anbelangt, haben deutsche Unternehmen Sorgen, ob China die Reformen weiter fördern und das Geschäftsumfeld verbessern kann. DieMaßnahmen zur Öffnung, die von Präsident Xi Jinping auf dem Boao Forum angekündigt wurden, demonstrierten einmal mehr Chinas offene Haltung gegenüber der Welt. Wir glauben, dass China, das sich in Richtung einer umfassenden Öffnung und Entwicklung mit hoher Qualität bewegt, Ländern in der Welt, einschließlich Deutschland, einen breiteren Markt, mehr Kapital, mehr Produkte und wertvollere Kooperationsmöglichkeiten bieten wird.

Drittens sind Offenheit und Pragmatismus, um Seite an Seite neue Bereiche der Wirtschafts- und Handelskooperation zu erschließen. Mit Chinas innovationsgetriebener und wirtschaftlicher struktureller Modernisierung gibt es in bestimmten Bereichen einen gewissen Wettbewerb zwischen China und Deutschland, was ein normales Phänomen ist. Beide Seiten sollten richtig damit umgehen: Ein gesunder Wettbewerb ist die treibende Kraft für den Fortschritt beider Seiten. Die Erfahrungen der letzten 40 Jahre zeigen, dass Chinas Entwicklung und Fortschritt für Deutschland gut sind und keine Bedrohung darstellen, und dass die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten eher zu- als abnehmen. China treibt die Strukturreformen entschieden voran und setzt immer wieder deutliche Zeichen der wachsenden Öffnung. Man hofft, dass die Bundesregierung keine defensiven oder restriktiven Maßnahmen gegen chinesische Investitionen ergreift, sondern langfristig auf eine offene und pragmatische Haltung setzt, um gemeinsam nach einer Kooperation zu streben.

Viertens ergänzen sich die Vorteile und steigern gemeinsam den Erfolg der „Ein Gürtel, eine Straße“-Initiative. Die Initiative schlug vor fünf Jahren vor, dass China und die Länder entlang der Neuen Seidenstraße ihre Vision in die Realität umsetzen,um fruchtbare Ergebnisse zu erzielen. Deutschland achtet sehr genau auf die darin enthaltenen Geschäftsmöglichkeiten und hat in einigen Bereichen wie der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank und der Euroasien-Eisenbahn bemerkenswerte Kooperationsergebnisse erzielt. Wir hoffen, die Kommunikation und den Austausch zwischen China und Deutschland zu stärken und im Zuge des Aufbaus der „Ein Gürtel, eine Straße“-Initiative zusammenzuarbeiten, um mit den Unternehmen beider Länder gemeinsam Drittmärkte zu erschließen und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Länder entlang der Neuen Seidenstraße beizutragen.

In den mehr als 40 Jahren gemeinsamer Anstrengungen zwischen China und Deutschland hat die Wirtschafts- und Handelskooperation fruchtbare Ergebnisse erzielt - erfreulich, aber nun Vergangenheit. Die deutsche Seite sollte auch den Mut haben, „alles auf Null zu setzen und neu anzufangen“, um gemeinsam für China und Deutschland eine neue Ära derWirtschafts- und Handelskooperationzu eröffnen, zum Wohle der beiden Völker und der Weltwirtschaftsentwicklung.

Beitrag von Wang Weidong,Gesandter-Botschaftsrat der Wirtschafts-und Handelsabteilung

NEWSLETTERS

Geben Sie hier ihre E-Mail Adresse ein, um unseren Newsletter zu abonnieren

Kommentare

Sind Sie Mitglied?Sind Sie schon eingeloggt?