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Das Virus auf der Neuen Seidenstraße

2020-04-03 16:05:28 de.china-info24.com Frank Sieren

Xi Jinpings "Belt & Road"-Projekt wird durch die globale Virus-Krise gebremst. Das Geld ist nun knapp. Aber es kann auch positive Entwicklungen bringen. Die Länder, die sich beteiligten, rücken näher zusammen, meint Frank Sieren.

Durch den Ausbruch des Coronavirus ist auch Chinas „Belt & Road“-Projekt, besser bekannt als „Neue Seidenstraße“, zu einem abrupten Halt gekommen. 2013 wurde es von Xi Jinping als das wohl größte, koordinierte Infrastrukturprojekt der Menschheitsgeschichte vorgestellt, das mit Straßen, Eisen- und Autobahnen, Flug- und Seehäfen Asien, Europa und Afrika wirtschaftlich enger miteinander verzahnen will. Nun stehen überall die Arbeiten weitgehend still, vom chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridor über die Sihanoukville Special Economic Zone in Kambodscha bis hin zum Payra-Kohlekraftwerk in Bangladesch.

Das liegt nicht nur daran, dass viele Länder entlang der Neuen Seidenstraße mittlerweile selbst von der Virus-Pandemie betroffen sind, sondern vor allem daran, dass tausende, für die Umsetzung einzelner Projekte zuständige Arbeiter aus China bis auf weiteres nicht mehr das Land verlassen dürfen.

Wirft das Virus das Mega-Projekt nur zurück oder markiert es gar das vorzeitige Ende des oft beschworenen chinesischen Jahrhunderts? Wohl kaum. China, ja ganz Asien befindet sich schon wieder auf dem Pfad der Erholung. Allerdings ist schon jetzt klar: Einige Verträge werden erst einmal nicht mehr wie vereinbart bedient werden können. Manches muss neu verhandelt, anderes wohl auch mangels finanzieller Mittel ganz aufgekündigt werden. Dass nicht alle Projekte erfolgreich sein würden, war Peking jedoch angesichts der weltumspannenden Ambitionen von Anfang an klar. Auch ohne Virus. Nun sind es allerdings ein paar mehr als geplant.

Für Staats- und Parteichef Xi Jinping ist „Ein Gürtel, Eine Straße“ nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein geopolitisches Mega-Projekt. Und genau das zeigt sich in der Virus-Krise jetzt deutlich. Kaum ist das Virus in China eingedämmt, exportiert das Land sein Know-how und medizinisches Material. Zigtausende Beatmungsgeräte, Schutzbekleidung, Masken und Medikamenten sind in die Welt unterwegs. Die besten Freunde entlang der Seidenstraße werden zuerst bedient. In Europa die Italiener früher als die Spanier, weil sie vergangenes Jahr als erste wichtige G7-Industrienation der Seidenstraßen-Initiative beigetreten sind. Ein großes Ärzteteam machte sich mit Hilfsgütern am 18. März nach Italien auf. In einem Gespräch mit Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte sprach Xi Jinping Mitte März dann auch nicht umsonst von einer "Health Silk Road", einer „Neuen Seidenstraße der Gesundheit“. Italien ist momentan das von dem Virus am heftigsten betroffene Land.

Aber kurz darauf ist auch Spanien dran, das immerhin schon eine Seidenstraßen-Zugverbindung hat. Am 21. März machte sich ein Zug aus dem chinesischen Yiwu nach Spanien auf, beladen mit 110.000 Schutzmasken und 776 Schutzanzügen. Der Zug der für die Strecke 17 Tage braucht und 13.000 Kilometer bewältigt, war zuvor als „Seidenstraßen-Zug“ für den Warenverkehr im Einsatz. Nun transportiert er eben vor allem medizinische Güter. Auch wenn es mit dem Flugzeug schneller gegangen wäre, ist die Symbolwirkung enorm.

Peking will mit seinen Lieferungen nun zeigen, dass man sich auf Chinas Güterverbindungen auch in Krisenzeiten verlassen kann.

„Gerade, wenn Händeschütteln in Europa nicht mehr opportun ist, kann Chinas helfende Hand einen Unterschied machen,“ schreibt die Staatliche chinesische Presseagentur Xinhua ein wenig pathetisch. Doch so laut Brüssel auch vor der Propaganda der Chinesen warnt, am Ende ist eine Maske eine Maske und eine helfende Hand eine helfende Hand. Das bleibt in Erinnerung. Das gilt nicht nur für Europa. Schon jetzt preisen viele Länder entlang der Routen Chinas Hilfe, darunter Serbien, Pakistan, Äthiopien oder Iran, das trotz der US-Sanktion mit medizinischen Gütern beliefert wird.

Historisch sind globale Handelsverbindungen wie die Neue Seidenstraße Fluch und Segen. Schon immer verbreiteten sich Epidemien entlang von Handelsrouten, von der mittelalterlichen Pest über die Sars-Epidemie 2003 bis hin zum Coronavirus. Das ist der große Nachteil einer globalisierten Welt. Umso weiter wir reisen und umso grenzübergreifender wir handeln, umso leichter hat es eine Krankheit, breit zu streuen. Dass Chinesische Konzerne einmal so global von Bedeutung sein würden, konnte man sich beim letzten Ausbruch einer Epidemie noch nicht vorstellen. 17 Jahre nach SARS findet man sie überall, von Italien bis nach Äthiopien. Und diese ist so verheerend wie lange nicht mehr. Jedes der Länder entlang der Neuen Seidenstraße ist momentan wirtschaftlich auf die ein oder andere Weise von dem Ausbruch des Virus betroffen. Sie alle sind davon abhängig, dass Chinas Wirtschaft so bald wie möglich wieder zur vorherigen Kapazität zurückfindet.

Viele könnten die chinesischen Infrastrukturprojekte nun sehr gut gebrauchen, um die lahmgelegte heimische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Noch ist es aber nicht soweit. Denn für Peking sind Investitionen ins Ausland derzeit zuhause schwierig zu verkaufen.

Die Wiederherstellung der heimischen Wirtschaft und vor allem die Sicherung von Arbeitsplätzen hat 2020 oberste Priorität.

Die Frage ist nun ob die Länder sich von China im Stich gelassen fühlen. Denn Peking konnte Länder wie Sri Lanka, Griechenland oder auch Italien vor allem davon überzeigen, der Initiative beizutreten, weil diese Länder wirtschaftliche Problem hatten und haben und kein anderer zur Hilfe in die Bresche springen wollte. Die Übernahme des griechischen Hafens in Piräus – heute einer der wichtigsten Brückenpfeiler der Neuen Seidenstraße – ist ein direktes Resultat der Finanzkrise 2008. Brüssel hatte die Griechen gezwungen, unter anderem ihre Häfen zu privatisieren. Gleichzeitig lies sich jedoch kein europäisches Unternehmen finden, das investieren wollte. Peking ist nun in einem Dilemma. Der einzige Trost: Kein anderes Land wird nach der Krise besser in er Lage zu sein in die Bresche zu springen. Insofern kann könnte Peking doch wieder ein Retter in der Not werden.

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