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Alleine essen: Eine Schande, eine Unannehmlichkeit oder eine Freude?

2017-11-07 10:36:22 CRI

Ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass sie alleine ein Restaurant betreten haben um gemütlich zu dinieren, der Ober sie aber höflich zu einem Ein-Personen-Tisch führt um Platz für ein Paar oder eine Familie zu machen? Oder haben Sie jemals von Fremden Mitleid bekommen, wenn Sie als Solo-Feinschmecker ein ausgiebiges Mittagessen bestellen? Es scheint, als sei es immer noch verpönt, auf eigene Faust in ein Restaurant zu marschieren. Eine Kurzfilmproduzentin denke ganz anders darüber.

Menschen sind gesellige Tiere, darum sind gemeinsame Mahlzeiten so normal, als wären sie in unserer DNA verwoben. Besonders in Ländern, wie China, wo man Familie und Kollektivismus hoch hält, kommt alleine essen zu gehen einer anerkannten Niederlage gleich, es schreit regelrecht nach sozialem Tabu.

„Ja, natürlich bevorzuge ich es, mit meiner Familie zu essen. Ich esse nur für mich allein, wenn es unbedingt notwendig ist."

„Ich esse oft mit Freunden, selten mit meiner Familie. Da ich Mitbewohner habe, esse ich selten alleine. Essen ohne Gesellschaft klingt furchtbar traurig."

„Aufgrund meines Arbeitsplans muss ich alleine essen. Essen ist für mich nur eine Routine, ich finde keine Freude daran."

Obwohl Essen in stiller Einsamkeit noch immer von vielen als Unbequemlichkeit und Schande betrachtet wird, ist die Zubereitung und Bestellung von Gerichten für Einzelperson zur Norm des Stadtbewohners geworden. Laut einer Studie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften lebten im Jahr 2017 fast 15% der gesamten chinesischen Bevölkerung allein. Die Frage umtreibt darum viele: Wie kann man das heimische Kochvergnügen noch vergnüglicher sein lassen?

Cai Yani ist eine von ihnen:

„Viele Jahre lang war essen für mich nur eine Routine. Ich arbeitete hart, darum konnte ich meine Leben wenig strukturieren. 2012 habe ich es nicht mehr ausgehalten und kündigte. Dann ist mir klar geworden, wie physiologisch und psychologisch notwendig das Konzept der drei Mahlzeiten am Tag ist. Ich lernte, wie man kocht und entwickelte sogar Freude daran. Leider war ich nicht sehr gut darin. So kam ich auf die Idee meine Freunde beim Kochen zu filmen und ihre Gerichte mit anderen zu teilen."

Ob handgebrühter Kaffee, saftige Hamburger oder scharfer Sichuan-Tofu, kein Video dauert länger als drei Minuten. Schritt für Schritt wird die Zubereitung des jeweiligen Gerichtes erklärt. "Yi Ren Shi" heißt die Serie – wörtlich also „essen alleine".

Anders als in den üblichen Kochsendungen schauen diese Hobbyköche weder in die Kamera noch erklären sie ihre Vorgehensweise. Cai dreht keine Kochsendungen sondern dokumentiert. Die Filme beginnen mit kurzen Fakten zu den Köchen und ihrer Lebenswelt. Begleitet von flotten Rhythmen, sieht man sie mit Leichtigkeit und Eleganz hacken, schneiden und rühren. Das Tonambiente lebt vom gut hörbaren Knacken des Öls, dem schäumenden Kochen der Suppe und den flirrenden Klang des Mixers. Zum Abschluss eines jeden Videos sieht man den Koch seine eigene Kreation verzehren. Dass sich das alles großer Beliebtheit erfreut, erkennt man schon daran, dass eines der Videos, in dem Sushi gefertigt wird, auf der Streaming-Plattform iQiyi von mehr als einer halben Million Zuschauern gesehen worden ist.

Das Geheimnis ihres Erfolges:

„Chinesen lieben Essen. Natürlich bekommen Gerichte, bei denen dir das Wasser im Munde zusammenläuft, schnell Aufmerksamkeit. Meiner Meinung nach sind es aber die Menschen hinter den Gerichten, um die es wirklich geht. Als ich die Videos drehte, suchte ich nach Leuten mit besonderen Perspektiven auf das Leben. Indem ich die Aspekte ihres Lebens in den Vordergrund stelle, möchte ich dem Publikum zeigen, dass es so viele Möglichkeiten im Leben gibt.

Vom Tätowierer über Hausfrau und Gitarristen bis hin zum Rentner – kein Mensch gleicht dem anderen in ihren Videos.

Obwohl Solo-Esser oft als Singles anerkannt werden, befindet sich jeder einmal in dieser Situation. So berichtet sie von einem Ehepaar. Jeden Morgen stehe der Ehemann etwas früher auf um sich Zeit für sich zu nehmen. Natürlich kocht er auch in dieser Zeit. Oft brauchen die Partner in einer Eher etwas Zeit und Abstand für sich, so Cai. Darum ist es ihr auch ein Herzensanliegen, Freude beim Kochen zu bescheren.

Verfasst von Liu Xinyue

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