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Den Monat (ab)sitzen – Chinas Wochenbett

2019-05-15 11:27:06 CRI

Nach der Geburt eines Kindes sollte eine Frau sich ausruhen. In Deutschland nennt sich diese Zeit Wochenbett, in China „坐月子" („Zuo Yuezi"), also „den Monat sitzen". Dieser Monat kann 28 oder 42 Tage andauern. In diesem Zeitraum soll sich die frischgebackene Mutter von der Geburt und Schwangerschaft erholen und langsam wieder zu Kräften kommen. Und wer in China den Monat nicht vernünftig sitzt, der wird sein ganzes Leben lang mit Krankheiten und körperlichen Wehwehchen zu kämpfen haben. Aus diesem Grund gibt es auch nur eine Antwort, wenn man eine Chinesin fragt, ob sie den Monat gesessen hat:
„Natürlich habe ich den Monat gesessen. Wenn Chinesinnen ein Kind kriegen, ist der Monat ein ganz traditioneller Brauch. Jede Chinesin muss das machen."
Aber wie der Monat richtig gesessen wird, dabei gibt es von Region zu Region relativ große Unterschiede, sei es beim erlaubten Essen oder auch den Besuchern im eigenen Heim. Ein Grundprinzip ist aber überall gleich, denn das wichtigste ist: Man muss sich vor jeglicher Form der Kälte schützen – auch im Hochsommer.
„Nach der Geburt eines Kindes muss man unbedingt passende Kleidung tragen, dazu gehören auch Kopfbedeckung und Socken. Man muss sich gut schützen. Das gilt auch für das Kind."
Direkt nach der Geburt wird also schon im Krankenzimmer der ganze Körper von Kopf bis Fuß bedeckt. Nachdem Mutter und Kind schließlich aus dem Krankenhaus entlassen wurden und zu Hause angekommen sind, beginnt der Monat erst so richtig. Sollte es keine wichtigen medizinischen Notfälle geben, so dürfen sowohl Mutter als auch Kind nicht wieder vor die Tür, bis der Monat vollständig abgesessen wurde. Das bedeutet, ein netter Spaziergang im Park bei schönem Wetter ist absolut tabu. Der Ausdruck „den Monat sitzen" ist aber eigentlich falsch: Gesessen werden sollte nämlich nicht zu lange, am besten sollten die jungen Mütter liegen – und das den gesamten Monat jeden Tag mit langärmliger Kleidung in einem Raum oder einer Wohnung mit einer Temperatur von rund 25 Grad Celsius. Jede Verrichtung von Hausarbeit irgendeiner Form ist dadurch natürlich auch unmöglich. Aus diesem Grund ziehen häufig die eigene Mutter oder die Schwiegermutter im eigenen Heim ein und helfen Tag und Nacht bei der Betreuung des Neugeborenen und der Hausarbeit. Viele Familien stellen auch eine sogenannte Yuesao an. Diese ist Köchin, Putzfrau, Hebamme und Pflegerin in einem. Sie wohnt den ganzen Monat lang bei der Familie und kümmert sich um Mutter und Kind, während sie essen kocht, die Wäsche wäscht und die Wohnung putzt. Ein absoluter 24-Stunden Job.
Aber nicht nur vor äußerer Kälte muss sich die junge Mutter schützen, auch vor innerer. Daher darf nur warmes Essen gegessen werden. Alle roh verzehrten Lebensmittel wie Obst und Gemüse werden frühzeitig aus dem Kühlschrank genommen und sogar in der Mikrowelle erwärmt oder gemeinsam mit heißem Wasser gegessen, um sie aufzuwärmen. Aber gerade am Anfang ist hartes Obst wie Äpfel als Snack sowieso nicht geeignet. Das Essen sollte weich sein. Zu den Hauptnahrungsmitteln beim Monatsitzen gehören daher Suppen und Eintöpfe. Diese sind nicht nur schön weich und heiß, sie enthalten auch viel Flüssigkeit, was die Milchproduktion der Mutter anregen soll.
Aber ein wenig haben sich die Bräuche im Laufe der Generationen doch verändert: Früher war es zum Beispiel absolut verboten, sich zu duschen, die Haare zu waschen oder sogar die Zähne zu putzen, während man den Monat saß, natürlich alles aus Angst vor der Kälte. Heutzutage sitzen aber nur noch wenige Frauen einen so extremen traditionellen Monat, die meisten jungen Mütter vertrauen auf eine „wissenschaftliche Art, den Monat zu sitzen". Das bedeutet, nach etwa einer Woche darf man duschen und sich die Haare waschen. Allerdings nur mit Wasser von mindestens 40 Grad Celsius und die Haare müssen anschließend sofort geföhnt werden. Auch Zähneputzen ist täglich erlaubt und Händewaschen wird ebenso empfohlen – aber auch hier gilt: Nur mit warmem Wasser, kaltes darf nicht einmal berührt werden.
Nach 28 oder 42 Tagen werden Mutter und Kind dann schließlich aus ihrem eigenen Heim in die freie Welt entlassen. Sollten aber irgendwelche gesundheitlichen Probleme kurze Zeit oder auch Jahre später auftauchen, so weiß jeder Chinese sofort: Da hat jemand den Monat nicht vernünftig gesessen.
„Man muss den Monat auf jeden Fall vernünftig sitzen. Wenn man den Monat nicht vernünftig sitzt, hat man sein ganzes Leben lang Probleme. Sie schieben später viele Krankheiten auf den Monat und sagen, du hast in dem Monat das und das gemacht, deshalb geht es dir jetzt so."

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