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Philosophie eines erfüllten Lebens: Bazaar in White zeigt Werke mit Tiefgang

2016-10-07 08:17:32 CRI

Mutmaßungen, dass es bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Bazaar in White" allein um den Effekt der (Nicht-)Farbe ginge, führten hier auf die völlig falsche Fährte: Wer am Freitag den Weg in den zauberhaft hergerichteten Caochang-Hutong hinter der U-Bahnstation Qiaowan südlich des Tian'anmens fand, betrat eine andere Welt. Kecke Papierflieger wiesen den Weg durch das verwinkelte Hutong-Areal. Im Rahmen der Beijing Design Week 2016 hatten zahlreiche Höfe und Häuser ihre Tore für die Kunst und ihre Liebhaber geöffnet.

Ein besonderes Schmuckstück hatten sich die Initiatorinnen des „Bazaar in White" ausgesucht: Ein uraltes, aufwändig restauriertes und behutsam modernisiertes Hofhaus – die zukünftige Kinderbibliothek des Bezirks. Luftige, moderne Glasbauweise im Inneren, die Raum lässt für die Geschichten, die die alten Balken, die verwitterte Pforte und die grauen Backsteine der Grundmauer zu erzählen haben. Natürlich authentisch soll alles sein und so fügen sich auch die ausgestellte Kunst und die Menschen in Weiß in den Raum, werden Teil der Mystik des Ortes. „Weiß bedeutet alles und nichts, jeder hat eine andere Definition und füllt es mit seiner für ihn eigenen Erklärung und Bedeutung", erläutert Initiatorin Key Hong. Sie versteht ihren Basar auch nicht als Ort des Kaufens und Verkaufens und die Kunst dabei als Ware, die ihren Preis hat und einen Besitzer sucht – ihr Basar soll Treffpunkt sein, die Menschen aktivieren, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg, den eigenen Talenten und Interessen fördern. „In China sind viele Menschen so passiv. Es wird nur konsumiert. Und jeder konsumiert für sich. Hier können die Menschen wieder Beziehungen aufbauen, zeigen, was sie interessiert, ihre Geschichte erzählen und aus dieser Leere heraustreten."

Der „Bazaar in White" findet einmal pro Jahreszeit in Beijing statt. Zwölf Künstler sind jeweils mit an Bord. Eine vollkommene, eine magische Zahl. Diesmal ist es nur eine kleine Auswahl. So, wie die Künstlerin Fan Xueyi. Ihre Zeichnungen und Poesie spielen in kleinen Glasrahmen mit dem Wind. Sie sind Erinnerungen an den Zauber ihrer glücklichen Kindheit.

Die Aura, die die Künstlerin umgibt, die auch im Beijinger Künstlerbezirk 798 ausstellt, ist im Raum spürbar. Sie hat ihn dekoriert mit Alltagsgegenständen, Vasen und Schalen aus eigener Herstellung, Fächern, Büchern. Eigentlich sind die Dinge alle schon immer da gewesen – so scheint es.

Ebenso wenig verwunderlich wirkt der Erdtrabant im Hinterhaus. Ein weißer, schimmernder Mond, voll und aus zartem Papier, füllt den Raum. In Beijing kann man ihn mit viel Glück als „Public Art Project" manchmal nachts in der freien Natur leuchten sehen.

Arbeiten aus Papier und alten Mal-, Druck- und Webtechniken komplettieren die Ausstellung – Musik und Licht sorgen für zusätzliche Mehrdimensionalität und zeigen, dass philosophischer Geist und handwerkliche Arbeit in keinem Gegensatz stehen müssen.

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