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Generation „Buddha“

2018-01-09 10:16:01 CRI

Über sie wird im Moment viel geredet– die in den 90ern geborenen Millennials. Seit einiger Zeit geistert nun eine neue kreative Bezeichnung durchs chinesische Internet.

Junge Leute in China haben es nicht leicht. Die Suche nach Arbeit oder einem Partner gestaltet sich oft schwierig und führt zu Resignation oder ironischer Distanzierung.

Viele chinesische Heranwachsende bezeichnen sich neuerdings als Generation „Buddha“.

Zhang Min, 23, ist einer von ihnen. Er ist fast fertig mit dem Studium und ihm wurde kürzlich mitgeteilt, dass er nach einem Vorstellungsgespräch schon wieder einen Job nicht bekommen hat. 60 Bewerbungen hat er schon verschickt, auf 20 Jobbörsen ist er gewesen – alles umsonst.

„Das Versagen macht mir nicht so zu schaffen wie früher. Was auch immer passiert, passiert eben“, so Zhang.

Die Bezeichnung Generation Buddha wurde viral, nachdem ein populärer Artikel auf WeChat die in den 90ern geborenen Millennials so beschrieben hatte.

„Schon alles gesehen haben und trotz des wachsenden gesellschaftlichen Drucks mit ruhigem Gemüt Leben und Karriere bestreiten – es ist in Ordnung etwas zu haben oder auch nicht“, heißt es in dem Artikel.

Viele junge Chinesen haben die selbstironische Bezeichnung Generation Buddha schnell übernommen.

Eine buddhamäßige Liebesbeziehung ist offenbar eine Beziehung der absoluten Toleranz – den Partner nie zur Veränderung drängen, alles einfach so hinnehmen. Eine buddhamäßige Karriere bedeutet, dass Angestellte nicht auf Beförderungen hoffen, sondern einfach ihren Job machen.

Allerdings wird an der Buddha-Mentalität auch Kritik geäußert, besonders von der älteren Generation. Die Generation Buddha sei pessimistisch und träge, was zu einem Mangel an Arbeitsmoral, Motivation und zu Teilnahmslosigkeit führen könne.

„Ein sich schnell veränderndes China bringt viele Reformen und Umbrüche, dadurch entstehen zwangsläufig Herausforderungen und Zwänge für die junge Generation, insbesondere was Karriere und Privatleben angeht“, erklärt Tian Feng, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.

Li Xiao, 22, arbeitet weit weg von zu Hause in einem Architekturbüro in Guangzhou, Provinz Guangdong. Im letzten Jahr hat sie die Aufnahmeprüfung fürs Masterstudium nicht bestanden.

Li wollte sich eigentlich in ihrer freien Zeit nach Feierabend auf die Prüfung vorbereiten, aber die vielen Überstunden haben ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie hat oft erst um 23 Uhr Feierabend und ist ausgebrannt.

Dieses Jahr hat sie erneut an der Aufnahmeprüfung teilgenommen, macht sich aber nicht allzu viele Hoffnungen.

„Ich hab es probiert und erneut teilgenommen, das zählt.“

Schwierigkeiten wie diese führen dazu, dass diese Generation sich ironisch mit Begriffen wie „verfrühter Haarausfall”, „Mönche und Nonnen“ oder „übergewichtig im mittleren Alter“ beschreibt. Die meisten sind davon noch weit entfernt, fühlen sich aber trotzdem so.

„Mit dem ständigen ‚passt schon’ oder ‚ist egal’ maskieren wir nur die Härte des Lebens“, meint Zhang Li, die als Produktmanagerin für eine Internetfirma in Beijing arbeitet.

Wenn ein neues Produkt rausgebracht wird, muss Zhang oft bis 4 oder 5 Uhr morgens im Büro bleiben. Generation Buddha sei bei den kleinen Dingen zwanglos, aber scheue für die wirklich wichtigen Dinge keine Mühen.

Für Zhang Min bedeutet eine buddhamäßige Jobsuche, „sich auf den schlimmsten Fall gefasst zu machen, aber sich trotzdem so gut es geht vor dem Arbeitgeber zu präsentieren.“

„Das Leben ist schwer genug, wir können uns nicht erlauben es noch schwerer zu machen.“

Ein paar Tage später wurde Zhang für ein Interview und eine Probestunde an eine Oberschule in Ningbo in der Provinz Zhejiang eingeladen. Die Schule ist sechs Stunden Zugfahrt von seiner Heimat entfernt. Ohne zu zögern hat Zhang ein Ticket gekauft und mit dem Packen angefangen. Dass er den Job kriegt, ist nicht sicher, aber er will die Sache „buddhamäßig“ angehen.

„Die Buddha-Mentalität hilft jungen Leute ruhig und flexibel zu bleiben, was sie auf mehr Verantwortung in der Zukunft vorbereitet“, meint Xu Hua, Professor an der Fakultät für Soziologie und Politikwissenschaften der Anhui-Universität. „Eine ambitionierte, kompetente und verantwortungsbewusste junge Generation ist entscheidend für den Fortschritt der Nation.“

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