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Gaokao: Millionen chinesische Schüler auf dem Prüfstand

2016-06-06 14:30:13 de.china-info24.com

Die jährliche Zulassungsprüfung für die chinesischen Universitäten, die „Gaokao", wird dieses Jahr vom 7. Juni bis zum 8. Juni stattfinden. In China gilt diese landesweite Prüfung als einer der bedeutendsten „Kämpfe“ im Leben, welcher die Zukunft der Schüler weitgehend beeinflusst. Jedes Jahr wieder verbringen Millionen von chinesischen Schülern den Sommer in nervöser Vorbereitung und in Erwartung auf den großen Tag.

Nach Reform der Gaokao werden alle Studenten gleich behandelt

Die chinesische Hochschulaufnahmeprüfung, die sogenannte Gaokao, entscheidet in China darüber, ob und an welcher Universität ihre Teilnehmer studieren dürfen. Nicht nur die Eltern, sondern auch viele Studenten sehen die Prüfung als Gelegenheit, ihnen dabei zu helfen, ihr Schicksal zu verändern.

China hatte das Gaokao-System 1977 eingeführt. Seitdem wurde die Prüfung wegen der großen Diskrepanz zwischen der Anzahl der Bewerber und den Zulassungen „Einstiegsbrücke" genannt.

Im aktuellen Gaokao-System müssen sich die Studenten Prüfungen in chinesischer Literatur, Mathematik und Fremdsprachen unterziehen, zugleich müssen sie abhängig von persönlichen Interessen an einer alternativen Prüfung – Naturwissenschaften (Physik, Chemie und Biologie) oder Geisteswissenschaften (Geschichte, Geografie oder Politik) teilnehmen. Daraus entsteht nachher die Gesamtnote der Gaokao.

Die Gaokao ist hart – zu hart vielleicht. Im Gesamtzusammenhang des chinesischen Bildungssystems möglicherweise ein bisschen zu wichtig. Schon seit vielen Jahren wird das chinesische Bildungssystem im eigenen Land kritisiert, weil es zu starken Wert auf Prüfungsergebnisse und zu wenig auf wirkliche Qualität lege, den innovativen Geist der Studenten ersticke und zu einem ernsten Braindrain führe.

Deshalb haben sich vor vielen Jahren verschiedene Reformen der Gaokao durchgesetzt. So haben beispielsweise die Tsinghua-, Beijing- und etwa 20 weitere Universitäten seit 2003 die Erlaubnis, ihre Zulassungsbestimmungen zum Teil selbst festzulegen. Das bedeutet, dass diese Unis etwa 5 Prozent der Erstsemester unabhängig von deren Gaokao-Ergebnissen zum Studium zulassen können. Zum Beispiel Bewerber mit herausragenden Ergebnissen bei Wissenschaftsolympiaden auf provinzieller oder gar internationaler Ebene – solche Kandidaten haben prinzipiell eine gute Chance, zum Studium an einer der prestigeträchtigsten Unis Chinas zum Studium zugelassen zu werden. Extrapunkte gibt es auch für diejenigen Kandidaten, die über ein herausragendes artistisches oder sportliches Talent verfügen.

Es war sicherlich richtig, die Standards zu diversifizieren und die Tore der Universitäten so für mehr Bewerber mit besonderen Talenten zu öffnen – doch leider wurde mit dieser prinzipiell guten Idee viel Schindluder getrieben.

Es gibt viele Beschwerden und Zweifel bezüglich der Fairness der Gaokao und der Transparenz des Zulassungssystems. Das sogenannte „Zusatzpunktesystem“ steht dabei im Kreuzfeuer der Kritik.

Was einmal ein Recht der Unis war – nämlich die Zulassung derjenigen Studenten, die man für hinreichend geeignet und talentiert hielt –, habe sich zunehmend in ein System käuflicher Privilegien verwandelt, in dem nicht mehr die Besten weiterkommen, sondern die Reichsten.

In diesem Jahr haben fast 80 Prozent der Regionen in China Reformen für ihre Universitätsaufnahmeprüfungen eingeführt, um die Gerechtigkeit zu wahren. Die meisten haben die Bedingungen, unter denen Bonuspunkte vergeben werden, reduziert, berichtete China News Service.

Am 25. Mai hat sich Hubei der Gruppe derjenigen Provinzen angeschlossen, welche die Anzahl der Bedingungen reduziert haben, unter denen Schüler viele zusätzliche Punkte zu ihren Gaokao-Prüfungsnoten erhalten können. Damit ist Hubei die 24. Region von 31 Regionen auf Provinzebene auf dem chinesischen Festland, welche diese Reduktion vornimmt.

Nach den neu veröffentlichten Reformplänen von Hubei bekommen in Sport begabte Schüler seit Anfang des Jahres 2015 keine zusätzlichen Punkte mehr. Die einzige Tochter einer Familie auf dem Land wird ab dem Jahr 2017 keine Bonuspunkte mehr erhalten.

Außerdem sollen nach den Regeln des chinesischen Bildungsministeriums die wohlhabenderen Provinzen dieses Jahr mehr Studienbewerber aus ärmeren Regionen aufnehmen.

In einer kürzlich ausgegebenen Richtlinie des Ministeriums heißt es, dass die interprovinziellen Bewerberquoten für einige Provinzen umverteilt werden sollen. Hochschulen in einigen entwickelten Regionen, welche über reichlich Drittmittel verfügen, wie die Provinzen Jiangsu und Hubei, werden dieses Jahr eine größere Zahl an Bewerbern, welche die Gaokao bestanden haben, aus weniger entwickelten Regionen wie Tibet und Xinjiang aufnehmen.

Das Ministerium erklärte, dass die Veränderungen am Gaokao den gerechten Zugang zu höherer Bildung zum Ziele haben und die Kluft zwischen entwickelten und ärmeren Provinzen verkleinern sollen.

Mehr Kreativität im chinesischen Bildungssystem

Laut eines Bericht von CRI hat die chinesische Regierung bereits Anfang 2015 versprochen, das Bildungssystem des Landes zu reformieren, um Schüler und Studenten zu mehr Kreativität anzuhalten. An Universitäten sollte dies mit innovativen Kursen und Geschäftsgründer-Systemen Umsetzung finden.

Creatica ist so eine Organisation, die mehr Kreativität und Erfindergeist in chinesische Klassenzimmer bringen will. Bislang unterhält sie Partnerschaften mit mehreren Schulen in Beijing, Shanghai und Guangzhou. In diesem Rahmen hat man sich bereits auf die Einführung von kreativen Kursen in die Stundenpläne geeinigt. So sollen Kinder unter 15 Jahren beispielsweise lernen, wie ein 3D-Drucker funktioniert, wie man Computer codiert und alles dazwischen.

Natalie Lo ist Mitbegründerin des Creatica Laboratoriums. Sie glaubt, dass chinesische gegenüber westlichen Jugendlichen in Sachen Innovationsgeist hinterherhinken. Das sei hauptsächlich auf ihre Lernumgebung zurückzuführen.

„Das System spielt dabei eine wichtige Rolle. Studenten im Westen, die das Privileg von vier Jahren Schule genießen und die tägliche Motivation besitzen, über den Tellerrand hinaus zu denken, liegen auf dem Gebiet Kreativität natürlich vorne."

Chinesische Studenten haben dafür viele positive Attribute wie Disziplin und Hingabe, ergänzt Natalie. Aber es sei noch ein langer Weg, bis das Bildungssystem genug Wert auf Kreativität lege.

Einer Oxford-Studie über die künftige Beschäftigungssituation zufolge sind die Aussichten für Jobs in der Kreativbranche am wenigsten von der Automatisierung beeinträchtigt. In China liegen Wissenschaft und Technik nach wie vor auf Platz 1 der beliebtesten Studienrichtungen, da die Wahrscheinlichkeit auf einen Arbeitsplatz mit diesen Voraussetzungen größer ist. Deshalb ermutigen chinesische Eltern ihre Kinder, diesen Weg zu verfolgen.

2014 hat China beschlossen, dass den Schülern im „Gaokao-System" in Zukunft mehr Fächer zur Wahl stehen. 2017 soll dies landesweit umgesetzt sein. Die Reform gilt als Fortschritt. Und doch gibt es Raum, für wesentlich mehr Kreativität.

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