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Die vermeintlich “verschwundenen” Friedhöfe von Aksu

2020-01-14 11:23:16 CRI

Die Stadt Aksu im Nordwesten des uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang in China hat in den letzten Jahrzehnten einen enormen Wandel durchgemacht. Als einst karges Gebiet am Rande der größten Wüste des Landes - der Taklamakan - haben Aksu und seine Randgebiete eine rasante Entwicklung und Begrünung erfahren. Dieses Tempo des Wandels wird jedoch in bestimmten westlichen Erzählungen oft als ein Reiben an uralten Bräuchen thematisiert, welches ein persönliches und religiöses Thema betrifft – die Friedhöfe.

Ein Friedhof im Kreis Xayar der Präfektur Aksu ist in letzter Zeit in den Mittelpunkt internationaler Kontroversen gerückt. CNN berichtete, dass Friedhöfe in der Region von den Behörden abgerissen werden, wobei Geschichten wie die von Aziz Isa Elkun, hervorgehoben wurden. Aziz ist ein uigurisches Dichter, der jetzt in London lebt und gesagt hat, dass er das Grab seines Vaters auf Google Maps nicht finden konnte. Der Artikel deutet an, dass die "Zerstörung" dieser uigurischen Friedhöfe, die ein zentraler Teil der lokalen Gemeinden sind, Teil einer systematischen Anstrengung war, die uigurische Kultur auszulöschen.

Eine Crew von CGTN beschloss daher, herauszufinden, ob an dieser Andeutung etwas dran ist. Etwa vier Autostunden vom Stadtzentrum Aksus entfernt liegt das bezaubernde und alte Dorf Yegiqiman. Dort hat CGTN Aziz' Familie gefunden.

"Ich habe Aziz seit Anfang 2017 nicht mehr gesehen. Er kam im Februar 2017 zurück, um sich um seinen damals schwer kranken Vater zu kümmern, und das war das letzte Mal, dass wir uns trafen", sagte Hepizem Nizamidin, Aziz' Mutter. Die 78-jährige Uigurin schwankte zum Grab ihres Mannes, das neben dem seiner Eltern und seines Bruders liegt.

Das Grab Nr. 47 liegt auf einem Friedhof, der Tausende von Gräbern beherbergt. Am 15. Dezember 2018 verlegte Hepizem die Überreste ihres Mannes Eysa Abdula von einem weniger als 100 Meter entfernten Ort hierher - einst ein altes, baufälliges Gelände, das mit nicht markierten Grabhügeln gefüllt war.

Die alte Grabstätte - staubig und ungepflegt - war jahrzehntelang von der sengenden Sonne, jahreszeitlichen Überschwemmungen und trockenen, staubigen Wintern heimgesucht worden. Nachdem Eysa im November 2017 an einem Herzinfarkt gestorben war, legte ihn seine Familie nach uigurisch-muslimischen Begräbnisriten in dieser Grabstätte zur Ruhe.

"Aziz kam nicht zur Beerdigung seines Vaters, deshalb hatte er keine Ahnung von der Begräbnisstätte", sagte Hepizem gegenüber CGTN. Aziz rief erst im Dezember 2017 an - das letzte Mal, dass sie seine Stimme hörten.

Hepizem und ihre Familie hatten Angst gehabt, dass sie eines Tages Eysas Grab inmitten von Regen und Staub nicht wiederfinden könnten. "Wir mussten durch die schlammigen, mäandernden Gassen gehen, um zum Grab zu gelangen. Wir waren immer in der Sorge, dass wir es übersehen könnten, da die ganze Anlage unbeaufsichtigt war", sagte Aziz' jüngere Schwester Hvrlem Eysa.

Ihre Besorgnis war im folgenden April vorüber, als sie die Nachricht erhielten, dass in der Nähe dieser alten Grabhügel ein normaler, betonierter Friedhof gebaut werden soll. Damals beantragten sie die Verlegung von Eysas Grab, was daraufhin im Dezember 2018 passierte.

"Ich fühle mich sicher, da mein Mann jetzt an einem friedlichen, ruhigen Ort, umringt von Blumen, ruhen kann", sagte Hepizem. "Wenn ich ihn vermisse, weiß ich nun wo ich ihn finden kann.“

Hepizem ist nicht die einzige Betroffene von Xinjiangs grausamen „Mythos des Verschwindens“, der von CNN und anderen westlichen Medien verbreitet wird.

Einige Dorfbewohner sind nicht einmal in der Lage, die Gräber ihrer verstorbenen Familienangehörigen zu finden, genau wie Sadir Yasin, mit dem CGTN vor Tagen in Aksus Bezirk Uqturpan gesprochen hatte.

"Heute können wir das Grab meines Großvaters nicht mehr finden, da der aufgestellte Ast nirgendwo zu finden ist", sagte Sadir. Der Grabhügel seines Großvaters kann seit Jahren aufgrund von massiven Überschwemmungen und peitschenden Trockenwinden nicht mehr identifiziert werden.

Sadir Yasin, der das Grab seines Großvaters nicht mehr finden kann.

Seit Anfang der 2000er Jahre haben die örtlichen Bürgerämter Beschwerden von Anwohnern über die heruntergekommene Umgebung bezüglich der alten Friedhöfe und der Schwierigkeit, die Gräber ihrer verstorbenen Verwandten zu finden, erhalten. Über ein Jahrzehnt lang haben die Kommunalverwaltungen öffentliche Meinungen eingeholt und neue umweltfreundliche Friedhöfe errichtet.

Heute gibt es 821 umweltfreundliche Friedhöfe in der Präfektur Aksu, von denen die meisten in der Nähe der entsprechenden alten Friedhöfe errichtet wurden und die Nachfrage für die nächsten 20 Jahre befriedigen können. Die alten Friedhöfe, deren Zahl auf 2.787 geschätzt wird, wurden entweder in Ackerland umgewandelt, um mehr Einkommen für arme Haushalte zu schaffen, oder als leeres Flächen für diejenigen erhalten, die die Gräber ihrer Familien nicht ausfindig machen können.

"Als nächstes begrünen wir die Gräber und schaffen einen bessere Umgebung für die Hinterbliebenen zum Besuch ihrer Lieben“, sagte Halmurat Ismail, Leiter des Büros für zivile Angelegenheiten im Kreis Uqturpan von Aksu.

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